Sonntag, 1. Juli 2018

Buch des Monats - Living Dolls: Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen



Kurz Info: 

Name: Living Dolls 
Autor/in:von Natasha Walter und Gabriele Herbst
Verlag:  FISCHER Taschenbuch
Preis: 11,00 Euro (Taschenbuch)      

  • ISBN-13: 978-3596189960
Inhalt: 

Wenn sich eine 18-Jährige statt einer Weltreise eine Brustvergrößerung wünscht, scheint etwas falsch gelaufen zu sein mit der Emanzipation. Die britische Publizistin Natasha Walter hat viele junge Frauen nach ihrem Selbstverständnis befragt. Die Antworten sind erschreckend. Zwar glauben die meisten Frauen, sie hätten ihr Leben und ihre Sexualität selbstbestimmt im Griff, in Wirklichkeit aber reduzieren sie sich selbst immer mehr auf ihr Äußeres und sehen allein ihre Attraktivität als Schlüssel zum persönlichen Erfolg. Auf dieses Lolita-Schema werden die Mädchen schon in frühen Jahren festgelegt. Es gibt fast nur noch rosa Spielzeug für kleine Mädchen, süße »Prinzessinnen« tragen Miniröcke, hochhackige Schuhe und Lippenstift. Junge intelligente Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten lassen sich in Casting Shows öffentlich demütigen. Natasha Walters kritische Bestandsaufnahme schockiert, rüttelt wach und macht eine Auseinandersetzung mit diesem wieder erstarkenden aggressiven Sexismus unabdingbar.

Meine Meinung:

Die Diskussion um unsere sexualisierte Welt ist nichts neues. Auch die immer wieder aufgeworfene Frage, warum weibliche Vorbilder immer sexy sein müssen, kennen wir bereits. Trotzdem kann man diese Frage nicht oft genug stellen, denn die Probleme sind noch immer da. 
Mehr noch, sie wachsen. 
Jungen Frauen und Mädchen wird beigebracht, dass ihre Stimme nur gehört wird wenn sie schön sind. Ihre weibliche Macht können sie nur nutzen, wenn sie über den sexuellen Kontext gehen. Ansonsten gehen sie in der breiten Masse unter. Die Folge dieser Erziehung zum sexy sein, ist dass wir übersexuell als normal empfinden. 
Natürlich, die sexuelle Befreiung der Frauen war ein großer Schritt für den Feminismus. Wir DÜRFEN uns zeigen wie wir wollen, ob im Rollkragenpulli oder komplett nackt. Wenn wir auf einem Jennifer Rostock Konzert sind, können wir uns stolz gegenseitig die Brüste zeigen und den Song #SilikongegenSexismus mitgröllen. Vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen - und dafür bin ich dankbar. 
Trotzdem hat dieses Buch mich ziemlich zum nachdenken angeregt. Denn es stimmt schon: Ohne Sex verkauft sich nichts mehr, auch nicht Feminismus. 
Auch wenn ich einige Thesen nicht völlig nachvollziehen kann und ich bei einigen Argumentationen nicht sicher bin, ob es nun übertrieben ist oder nicht, fällt mir doch mehr auf, wie weit sich dieses Problem ausgebreitet hat. 
Als Frau musst du schön sein. Das ist kein neuer Druck, aber einer der inzwischen anders gelebt wird. Mit mehr Lifestyle und dem Irrglauben der freien Entscheidung. Probleme die wir mit unserem Körper haben, werden einfach wegoperiert sofern wir das Geld dazu haben. Statt uns Gedanken darüber zu machen, wie wir die Welt verbessern, müssen wir erst einmal versuchen unseren eigenen Körper zu mögen, wo wir doch tag täglich scheinbare Perfektion vor die Nase gehalten bekommen. Obwohl das Buch schon etwas älter ist, kann man vieles in die aktuelle Situation übertragen. Statt den nackten Frauen in der Bild, ist es inzwischen eher Instagram. 
Aber dennoch profilieren sich Frauen weltweit gerade auch in der alternativen Szene dadurch, dass sie viel Haut zeigen. Das ist an sich natürlich nichts schlimmes oder schlechtes - und wenn wir ehrlich sind, sehen wir uns alle gerne schöne, nackte Menschen an. Ob wir es jedoch schaffen, diesen Menschen dann nicht als ein Objekt zu sehen, ist eine ganz andere Frage. Das Problem der Gesellschaft ist schließlich nicht die nackte Haut, sondern was daraus gemacht wird: Ein Tabu, dass ständig gebrochen wird um den Reiz an etwas völlig normalen zu erhalten.
Ich musste einige Kapitel des Buches eine ganze Weile sacken lassen. 
Insgesamt fand ich es gut. Viel Stoff zum nachdenken und einige Dinge auf die bisher nie geachtet habe. Darunter zum Beispiel die neue Art von Barbie, die tatsächlich eher aussieht wie "der klassische Pornostar". Große Augen, Brüste und Lippen. Anatomisch unmögliche Proportionen und Kleidung die immer nur das nötigste verhüllt. Aber Nippel oder einen Intimbereich gibt es nicht. 
Wer sich etwas mehr mit dem Körperbild der Frau und den Auswirkungen der sexualisierten Welt beschäftigen möchte, kann auf jeden Fall zu diesem Buch greifen. 

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