Mittwoch, 9. Mai 2018

Justine privat - Drück mal auf Pause statt auf Panik(Attacke)


Obwohl aktuell meine liebste Zeit des Jahres ist, spüre ich alles andere als Freude. Ich habe schon so oft über dieses Thema gesprochen und doch war mir nie klar, wie weit ich mich an die Grenze gewagt habe. 
Ich bin fertig. Kaputt. Ausgelaugt. 
Meine Abitur ist fast ein Jahr her. Ich dachte, damit hätte sich der 2-3 Jobs Marathon erledigt. Natürlich kam das Leben mal wieder dazwischen - und sitze ich hier. Ich heule, kann kaum atmen und schaffe es nicht wirklich aus meiner Panik heraus. Dabei ist doch eigentlich alles Okay, ich bin zu Hause, es ist nichts Schlimmes passiert. Es ist ein ganz normaler Tag, die Sonne scheint, die Bienen fliegen und niemand steht mit einer Waffe neben mir. Trotzdem habe ich die Kontrolle verloren. Über mich, meinen Körper und meine Gedanken.

Ich habe panische Angst und kann nicht einmal sagen warum. 
Mir wurde schon so oft gesagt, dass der ganze Stress der letzten Jahre mich irgendwann einholen wird. Natürlich war mir bewusst, dass dieser „Lifestyle“ so nicht ewig gut geht. Ich habe versucht, die Notbremse zu ziehen, weniger zu arbeiten, effektiver zu sein, mir einen Job zu suchen, der mehr Geld bringt. Am Ende habe ich jedoch mit all diesen Maßnahmen den Druck nur immer weiter hochgeschraubt.
Während der Abi-Prüfungen habe ich gearbeitet, statt einen Monat Pause zu machen, bin ich Vollzeit wieder eingestiegen und habe nebenher weiter gearbeitet. Nicht nur am Blog, nicht nur den Haushalt. Ich war putzen, habe bei Inventuren geholfen, habe jeden Job der sich mir geboten hat ergriffen in die Hoffnung, schnell das Geld für den kommenden Umzug und die laufenden Kosten zusammenzubekommen. 
Gebracht hat es nicht viel. Ich habe mich nur in ein Häufchen Elend verwandelt. 
Einfache Dinge, wie mein Auto zu parken, werden plötzlich zu Mammut Aufgaben. Ich fange an zu zittern, zu weinen, zu krampfen als würde ich selbst mein Leben bedrohen, wenn ich diese Aufgabe nicht perfekt löse.
Natürlich weiß mein Kopf, dass es scheiß egal ist, ob ich gerade in der Lücke stehe oder drei Versuche brauche. Es ist egal. Es geht nicht um mein Leben, es geht darum, dass Auto abzustellen. Aber das hilft mir in dieser Situation nicht. Die Bedrohung ist nicht da - aber sie fühlt sich real an. Wie ein Albtraum in dem ich plötzlich stecke, aber nicht aufwachen kann. Alles dreht sich. Realität und Gedanken verschwimmen. Ich selbst verschwimme. Mein Puls hämmert so heftig in meinen Ohren, dass ich nichts anderes mehr höre.
Jetzt sitze ich hier, tippe diesen Beitrag und versuche dabei meine Gedanken zu ordnen. Meinen Kopf. Ich will die Lösung sehen. Aber alles ist verschleiert, jede Maßnahme erscheint mir sinnlos. Unnütz. Ich kann doch nicht so schwach sein? Ich war doch nicht immer so schwach? 
Bisher haben sich meine Panik-Attacken immer auf Prüfungssituationen beschränkt. Das war ebenfalls nicht schön, aber zumindest wusste ich da, worauf ich mich einlasse. Inzwischen überkommt mich dieses beklemmende Gefühl schon, wenn ich im Supermarkt stehe und mir eine Gurke runterfällt. 
„Du brauchst einfach mehr Ruhe.“
Ja, ich weiß. Aber ich weiß nicht wie. 
Ich finde keine Ruhe, obwohl ich müde bin. Unendlich müde. Wie soll ich auf Pause drücken, wenn jedes Mal, wenn ich mit meinen Gedanken alleine bin, die Hölle losbricht, als befände ich mich im Krieg. Als würden Bomben auf mich einschlagen, statt Rechnungen? 
Ich kann mich nicht krankschreiben lassen, denn dann geht zu viel Geld verloren. Ich kann keine Hilfe bei einem Psychologen suchen, wenn die Warteliste 6 Monate lang ist und ich in einigen Monaten umziehe. Ohnehin ist es schwer Ruhe zu finden, wenn die Liste der Aufgaben immer länger wird, statt kürzer.
Und da dreht sich der Kreis und die Panik kommt wieder hoch, als würde sie darauf warten, dass ich mich endlich erbreche, statt zu zerbrechen. Ich habe Hilfe, Freunde, Familie, einen Partner. Ich bin nicht alleine. Trotzdem finde ich den Weg aus diesem Kreislauf nicht. Es fühlt sich an, als hätte ich meine Belastbarkeit vollständig aufgebraucht, wüsste aber ohne sie auch nicht, wer ich bin.

Alleine komme ich da nicht raus.
Das weiß ich, aber es hilft nicht. Ich muss die nächsten Monate überstehen, dann kann ich weitermachen. 

Kommentare:

  1. Du schreibst mir wirklich aus der Seele und mir wird ganz flau, wenn ich von dir lese! So wie du jetzt fühlst habe ich noch vor einem Jahr jeden Tag gefühlt. Zum Glück habe ich es jetzt ein wenig im Griff. Es wird seltener. Und ich hoffe bei Gott, dass es weiter besser wird und nicht schlimmer.
    Ich kann dir nur den Tipp geben: Mit weniger Geld kann man überleben! Auch wenn es Geld, zeit und Mühe kostet: Solche Krankheiten gehen nicht von selbst weg. Man muss sich kümmern, ausruhen, therapieren, kurieren. Sei es stationär und/oder ambulant. Wenn stationär gar nicht in Frage kommt, lass dich doch jetzt schon an deinem neuen Wohnort auf die Wartelisten von Therapeuten schreiben. Dann bist du beim Umzug schon weit aufgerückt.

    Liebe Grüße & ganz viel Kraft! Miss Bluejay

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    1. Danke meine Liebe <3
      Deine Kommentare haben mir wirklich einen Kraftschub gegeben! Ich weiß, dass ich diese Sachen angehen muss und es nicht hilfreich ist, mich mit Arbeit zuzuschütten ... Zum Glück heißt es nur noch, eine Weile durchhalten! Ich danke dir und hoffe, deine Probleme werden mit der Zeit auch weniger!

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