Sonntag, 8. April 2018

Tabubruch: Wenn Väter bereuen - Ein Interview #Regretting Motherhood

Nicht nur Mütter können bereuen ...
Nicht nur Mütter können ihre Rolle ablehnen, auch Väter wissen oft nicht mit dem Druck umzugehen. Ich finde, dass genau dieser Part in den öffentlichen Diskussionen noch weniger Raum findet - darum möchte ich heute einen Vater zu Wort kommen lassen, der nie einer sein wollte. 

Ich: Wie kam es dazudass du ungewollt Vater wurdest?

Achim: 

Es war ein One Night Stand. Den ich bis heute bitter bereue - das Kondom riss, aber sie versicherte mir, dass sie die Pille nehme und es halb so schlimm sei. Einige Monate später bekam ich einen Briefin dem ich aufgefordert wurde, Alimente für meine Tochter zu zahlen. 

Ich: Du wusstest also nichts von der Schwangerschaft?

Achim: Nein, ich kannte nicht einmal ihren Nachnamen. Für mich war es nur eine Nacht, mehr sollte daraus niemals werden. 

Ich: Wie hast du reagiert, als du dann von deiner Tochter erfahren hast?

Achim: Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen. Ich wollte nie Kinder, schon gar nicht so. 

Ich: Und wie ging es dann weiter?

Achim: Ich habe natürlich Kontakt zu der Mutter aufgenommen. Zugegeben, das lief nicht gerade schön ab. Auch von meiner Seite nicht. Sie hat ein Kind von mir bekommen, ohne mir etwas zu sagen. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte keine Chance, aus dieser Schlinge rauszukommen.

Ich: Meinst du, es wäre anders gelaufen, wenn du von der Schwangerschaft gewusst hättest?

Achim: Ganz ehrlich: das weiß ich nicht. Für sie (die Mutter) war ja von Anfang an klar, dass sie das Kind nicht abtreiben möchte. Da hätte ich auch so nichts daran ändern können, aber es wäre schön gewesen, zumindest das Gefühl zu haben, auch gefragt zu werden. 

Ich: Kritisierst du es, dass Männer keine Gewalt darüber haben, ob sie Vater werden wollen?

Achim (lacht): 
Ohje, wenn ich jetzt etwas Falsches sagewerde ich von FeministInnen zerfleischt. 
Nein, ich finde nicht, dass ich das Recht habe, einer Frau zu sagen, was sie tun sollte. Wenn sie Mutter werden möchte, dann ist das okay. Aber ich denke, es ist schwer, wenn man als Mann einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wird. 
Wie gesagt, sie wußte ja, dass ich keine Kinder wollte. Das hat ihr meine Reaktion auf das gerissene Kondom ziemlich deutlich gezeigt. Ich wollte sogar das sie sich die Pille danach holt, doch das lehnte sie ab. Ihr war also klar, was sie tat, als sie mich nicht mit einbezog. Ich hatte keine Rechte, aber sofort Pflichten, auf die ich mich nicht einmal vorbereiten konnte.  

Ich: Wann hast du deine Tochter das erste Mal gesehen?

Achim: 
Da war sie gerade 6 Monate alt. 

IchWarum hat das denn so lange gedauert? 

Achim: 

Es gab einen ziemlich langen Streit, auch von rechtlicher Seite ob ich sie überhaupt sehen durfte. Die Mutter wollte zwar das ich brav dafür zahle, aber sie sehen sollte ich nicht. 

Ich: Und wie war es als du deine Tochter dann das erste Mal gesehen hast?

Achim: Ich hatte wahnsinnige Panik, das kleine Ding auf meinem Arm fallen zu lassen. Obwohl meine größte Angst, dass ich eine Abneigung gegen mein eigenes Kind haben würde, ausbliebwar es dennoch nicht gerade der schönste Moment meines Lebens.

Ich: Was genau meinst du damit?

Achim: 
Sie war jetzt eben da - einfach so. 
Ich war überfordert, irgendwie verletzt und fühlte mich wie in einem Vakuum. 

Ich: Wie ging es weiter?

Achim: 
Nach viel Streit und Rosenkrieg und nachdem meine Freundin mich verlassen hatte, einigten die Mutter und ich uns darauf, dass ich meine Tochter alle zwei Wochen sehen darf. Alleine das finde ich erbärmlich: alle zwei Wochen. Nicht spontan, nicht wie ich es möchte, sondern nach ihren Regeln. Ich darf nur das Geld abladen und mit ganz viel Glück bekomme ich dafür ein paar Momente mit meiner Tochter. 
Außer natürlich, die Dame hat etwas dagegen, dann bin ich raus aus der Nummer. 

Ich: Also liegen deine Probleme mit der Vaterschaft eher darin, dass die Mutter es dir schwer macht?

Achim: 
Das ist ein großer Teil davon, aber nicht alles. 
Wie gesagt: Ich wollte keine Kinder. Inzwischen habe ich auch den Schritt gewagt, mich eineVasektomie zu unterziehen, damit mir das nicht noch einmal passiert. 
Meine Tochter ist toll und ich liebe sie, doch könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich es tun. Ich möchte noch immer kein Vater sein, aber ich bin es eben. Die Kleine soll nicht darunter leiden und das tut sie auch nicht. Höchstens an dem gestörten Verhältnis zwischen ihren Eltern. 

Ich:  Wie ist das Verhältnis zu deiner Tochter?

Achim: 
Inzwischen würde ich es als sehr gut bezeichnen. Als sie noch ein Baby war, konnte ich wenig mit ihr anfangen, doch jetzt ist sie gerade 5 geworden und es macht durchaus Spaßmit ihr was zu unternehmen. Wenn sie da ist, dreht sich auch alles um sie. Das genießt sie natürlich und ich auch, aber ich bin auch frohwenn die Wochenenden vorbei sind. 
In dem Punkt bin ich froh, dass ihre Mutter sie in der Woche hat, ich wüsste nichtwie ich das alles organisieren sollte und ich weiß auch, dass ich dann unglücklicher wäre. 

Ich: Was stört dich an der Vaterrolle?

Achim: 
Die enorme Verantwortung und die nicht vorhandene Freiheit, sowohl im Leben als auch finanziell. 

Ich: Fühlst du dich durch deine Vaterschaft eingeengt?

Achim:  Ja, auf jeden Fall. Und das obwohl es ja nur zweimal im Monat ist. 

Ich: Wie äußert sich das?

Achim: In fast allen Dingen. Ich bin Egoist, durch und durch. Doch das darf ich nun nicht mehr sein. Ich kann nicht mal eben 6 Monate ins Ausland, denn dann sehe ich meine Tochter nicht. Ich kann mir nicht kaufen was ich will, denn zuerst muss sie alles haben, was sie braucht. Solche Dinge. Natürlich weiß man das vorher wenn man ein Kind bekommt. 
Aber als sie gezeugt wurde, war ich 23 und hätte nicht gedachtdass eine Frau über meinen Kopf hinweg ein Kind bekommt. Es war eine Nacht und ein Fehler, nicht mehr zu ändern, aber er bestimmt mein Leben. 

Ich: Meinst du deine Tochter weiß das?

Achim: Ja, ihre Mutter wird nicht müde ihr zu sagen, dass ich sie nicht wollte. Dabei spielt das keine Rolle, ich wurde weder gefragt noch hätte das einen Unterschied gemacht. Ich versuche das Beste draus zu machen, nehme mich zurück und hoffe, dass aus meiner Tochter ein toller Mensch wird. 

Ich: Hast du einen Tipp für Männer, die Väter wurden, ohne dass sie wollten?

Achim (lacht): 

Nein. Tut mir leid. 

Es ist schwer, ein guter Vater zu sein, man kann nur versuchen, seinem Kind die Liebe zu geben die es verdient, egal was drum rum ist. 

Danke lieber Achim für deine ehrlichen Worte!

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