Donnerstag, 5. April 2018

Justine privat – Vom Heiraten, Kinder kriegen und so …

Hemd & Hose: Kleiderkreisel



Es gibt so Momente im Leben, da wird einem erst so richtig bewusst, dass man sich entwickelt hat – und das nicht immer unbedingt in eine Richtung, die man erwartet hat. Ich habe gerade einen dieser Momente. Während ich in seine Augen schaue und wir über dieses für mich schon immer schwierige Thema reden, habe ich zum ersten Mal keine Angst. 
„Du musst dich an den Gedanken gewöhnen, dass ich dir irgendwann einen Ring an den Finger stecke.“ 
Ich blicke auf meinen tätowierten Finger und stelle mir vor, wie ich vor ihm stehe und ja sage, und zum ersten Mal habe ich nicht das Gefühl, dass ich losrennen und mich unter meinem Bett verstecken will. Trotzdem werde ich rot, weil ich nicht glauben kann, dass ER das gerade zu mir sagt. Er, den ich so oft umschwärmt, von dem ich mir aber nie etwas erhofft hatte. Und nun sitzt er neben mir, hält meine Hand und sagt mir, dass ich die Frau bin, die er einmal heiraten will. 
„Irgendwann …“, sage ich vorsichtig. Der Moment ist zu schön, um ihn mit meinen Gedanken kaputt zu machen. Ich lege den Kopf auf seine Schulter und schließe kurz die Augen. Keiner von uns beiden ist perfekt – und ich bin mir sicher, dass wir zusammen 90% der anderen Menschen auf den Sack gehen, doch das stört mich nicht. Wir sind beide gleich und doch grundverschieden. Vielleicht ist genau das unser Geheimnis, denn selbst wenn wir uns uneinig sind, kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als neben ihm zu sein. 
„Ich meine es ernst“, meint er und streicht mir durchs Haar wie in einem schlechten Liebesfilm. „Ich will dich heiraten, mit dir ein *schwarzes Mädchen adoptieren und all den Unsinn machen den du dir ansonsten noch in den Kopf gesetzt hast …“ 
„Auch die Hundefarm?“ 
„Alles.“ 
Ich kann es nicht fassen und versuche einfach zu schweigen, auch wenn es mir schwerfällt. Kann es wirklich sein, dass alle Recht hatten? Habe ich den Einen gefunden, mit dem ein spießiges Leben in einer Punk-Rock Ehe mit zwei Adoptivkindern für mich plötzlich kein Gefängnis mehr ist? Kann es sein, dass jemand all meine Macken, überzogenen Vorstellungen und seltsamen ethischen Ansichten nicht nur akzeptiert, sondern sogar liebt? 
Ich bin verwirrt und glücklich und zum ersten Mal in meinem Leben schaffe ich es, nicht alles zu hinterfragen, sondern den Moment einfach zu genießen. 
„Ein Adoptivkind reicht auch", sage ich grinsend. 
„Ja, und bitte kein Baby." 
„Niemals, Babys will ja jeder. Vielleicht so ab 10 Jahren." 
„Eher 12." 
„Oder doch besser gleich 17?" 
„Das klingt perfekt." 
Wir lächeln dümmlich während die Hundedame an den frischen Blümchen schnüffelt. Manchmal ist das Leben schon seltsam. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, jemanden zu finden der mich tatsächlich so mag wie ich bin. Es hat Jahre gedauert, damit ich mich selbst überhaupt ansehen konnte. Und jetzt stehe ich hier, im Frühlingswind neben ihn und denke an eine mögliche Zukunft die auf uns wartet. Diese Romantik bringt mich fast zum würgen, aber sie macht auch glücklich.

*Dieser Wunsch entspricht NICHT, der Bevorzugung oder Abwertung einer Hautfarbe. Er basiert auf dem Plan ein Jahr lang in Afrika zu arbeiten und sich dort um Frauen und Mädchen zu kümmern, die einer Beschneidung unterzogen wurden. 

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