Mittwoch, 28. März 2018

Meckermittwoch: Zwischen Selbstsucht und Selbsthass

Bildbearbeitung: http://mary-buecherblog.blogspot.de/
Eines meiner liebsten Hobbys ist es mich selbst zu zerfleischen. Das liegt zum einen daran das ich das besonders gut kann und zum anderen das ich immer einen Grund dafür finde. Es ist ganz egal was es für ein Tag ist – irgendetwas finde ich immer.

Ich trage ein altes H&M Shirt das wahrscheinlich von Kinderarbeitern genäht wurde und giftige Stoffe enthält – und schon geht es los, schon 2013 stürzte eine Textilfabrik in Bangladesch ein, über 1000 Menschen starben, nur damit ein Mädchen wie ich es sich leisten kann 40 verschiedene Kleidchen zu haben. 
All die Dinge die in dieser Welt schief laufen scheinen irgendwie mit mir verbunden zu sein. Extremisten verüben Anschläge auf Redakteure des Satiremagazins Charlie Hebdo und ich poste nicht das ich „Charlie“ bin. Oder Paris. Oder Berlin. Oder ein anderer Ort, an den ich erst gedacht habe als er "Opfer" wurde. 
Macht mich das nun zu einem weniger mitfühlenden Menschen, obwohl ich die gesamte Tat via Nachrichten vom Beginn an verfolgt habe?

Meine Naivität führt mich zu einem der unzähligen Produkte von Nestlé und wieder kann ich damit Anfangen mich selbst durch den Fleischwolf zu drehen. 
Sauber ist diese Firma ganz und gar nicht – und wie sich herausstellte auch nicht das Wasser das sie verkauften, denn dieses war schlichtes Grundwasser. Ungefiltert aber billig. 

Ich fühle mich nackt, irgendwie hilflos und bin wütend auf die Konzerne und auf mich selbst. Wann hat das Ganze angefangen allen über den Kopf zu wachsen und wann wird es endlich besser werden? Die Antwort liegt bei den Konsumenten und ich bin einer von ihnen. Ein selbstsüchtiges Individuum das es auf Dauer nicht erträgt nicht die erste Rolle zu spielen.

Meine Fehler scheinen sich alle samt in meine Seele zu brennen wie eine einzige Anklage. Die Unmenschlichkeit scheint sich auszubreiten wie eine Seuche und ich bin mit meinem Verhalten ein Teil davon auch wenn ich es gerne leugne. Immerhin bin ich es die gut aussehen will und sich dafür Kleider kauft an denen Blut klebt, ich bin es die etwas isst das aus einer Massenproduktion isst die unwürdig ist und statt zu helfen lieber schöne Menschen auf Instagram betrachtet. Die Fehler der gesamten Welt lassen sich am Ende doch wieder auf mich zurückführen, denn ich sehe einfach weg.

Aber nun nicht mehr, zumindest habe ich mir das selbst geschworen. Doch wie soll ich vollständig aus einem Kreis ausbrechen, den ich nicht selbst gemalt habe?

Ich versuche es. 
Ich entwickle mich. 
Ich werde besser. 

Aber reicht das? Geht es dabei wirklich darum die Welt zu retten? Oder nur mein Gewissen? Drehe ich mich im Kreis, laufe ich um mich selbst und erkenne nicht, wie sehr meine bloße Existenz gegen alles verstößt was gut und richtig ist?

Schalten wir die Melodramatik einmal ab, bleibt nur noch eins zurück: Ich. 
Will ICH die Welt retten? Nicht wie Supergirl, aber wie ICH? Oder möchte ich mich weiter im Kreis drehen und an eine höhere Macht beten das es jemand anderes tut?



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