Donnerstag, 29. März 2018

Justine Privat - Die Zukunft ist am Arsch

Es gibt so Momente da treibt mich die „Planung“ meiner Zukunft an den Rand des Suizids. Nein, dass ist keine Übertreibung, sondern ein schlichter Fakt. Die Entscheidung den zweiten Bildungsweg einzuschlagen habe ich bisher nicht bereut - mein Abitur zu bekommen und zu studieren war ja schließlich schon immer der Plan. Nur war es zum Zeitpunkt meiner „Jugend“ so eben nicht möglich. 

Noch immer bin ich auf dem Stand, dass es richtig war - denn ich will vor allem mir selbst beweisen, dass ich es kann. Nur: Was kommt danach?

Ohrringe/Kleid: Second Hand Killstar
Genau diese Frage ist es in den letzten Wochen die mich nicht schlafen lässt, mir den Appetit verdirbt und meinen Kopf in endlosen Bahnen der Verzweiflung ertrinken lässt. Es ist nicht so, dass ich nicht weiß was ich will. Denn das weiß ich - und genau hier liegt das Problem. 
Leser der ersten Stunde wissen, dass ich mit dem Abitur nur angefangen habe, weil ich schon immer Psychologie studieren wollte. Warum? Weil ich genau weiß, dass ich diesen Job gut mache würde - und weil er das Potenzial hat mich glücklich zu machen. Ziemlich schnell hat sich dieser Anspruch erledigt, denn zu viele wollen es genauso sehr wie ich und haben bessere Noten, bessere Umstände, bessere Optionen wie etwa ein Auslandsstudium. All dies habe ich nicht. 

Meine Noten sind gut, aber nicht sehr gut. Also bin ich raus aus der Option. Genauso sieht es leider bei meiner „Notfall“ Option aus. Sozialpädagogik damit ich irgendwann als Sozialarbeiter arbeiten kann. Ich weiß das ich genau das gut könnte, ich weiß, dass dieser Job mich nicht nach 6 Monaten in Versuchung führt mich an einer alten Weide aufzuknöpfen: ABER auch hier das gleiche Problem. Mein NC wird nie im Leben besser als 2,0 , eine private Hochschule kann ich mir nicht leisten, im Ausland zu studieren ist utopisch und auch das Geld um mich irgendwo einzuklagen habe ich nicht. Zum Warten fehlt mir ehrlich gesagt auch die Geduld, denn ich bin zwar kein Fan von Reden wie „Mit 30 musst du mal langsam was richtiges arbeiten“, aber auch ich würde mit 30 gerne zumindest halbwegs mit dem Studium fertig sein. 

Also was jetzt?
Alles schmeißen und mich vor einen Zug werfen?
Das ginge zwar schnell, ist aber weniger meine Art. Mit der naiven Haltung, es werde sich schon etwas finden ging es also zur Studienberatung. Ich durfte einen netten kleinen Test ausfüllen und heraus kam … Dada!!! 

Psychologie und Soziale Arbeit. 

Knapp dahinter Germanistik und Medien Kommunikation. Auch nett, doch mein Plan sah eigentlich nicht vor etwas zu studieren mit dem ich nicht einmal eine halbwegs realistische Option auf einen „guten“ Job habe. Frustriert teilte ich genau das auch der freundlichen Dame mit. Diese bedachte mich mit einem langen und sehr gefühlvollen Blick und sagte: „Nun dann ist ein Studium vielleicht nicht der richtige Weg für Sie. Haben Sie an eine Ausbildung gedacht?“ 

Ich musste mich dazu bringen dreimal lange und tief durchzuatmen ehe ich erwiderte: „Ich habe bereits eine Ausbildung im Medizinischen Bereich gemacht.“

Darauf sie: „Das ist doch super, warum machen Sie denn da nicht weiter?“ 
Manchmal wünschte ich wirklich ich könnte Blitze schleudern. 

„Weil ich den Job gehasst habe“, antwortete ich also und ballte die Hände zu Fäusten. Das lang gezogene „Ohhhh“ kenne ich inzwischen so gut das ich jedes Mal kotzen könnte. Als einer der größten Fehler meines Lebens bezeichne ich inzwischen, die Ausbildung die ich gehasst habe zu Ende geführt zu haben. Das hat mir nicht nur wertvolle Zeit meines Lebens gestohlen, sondern mich auch in eine Schiene gedrückt aus der ich vielleicht nie mehr wieder heraus komme. 
Eine neue Ausbildung? 
Klar, nur das ich keinen Sugar Daddy habe der mich das finanziert. Und auch keinen Plan wie mich das nun näher an den „Traumberuf“ bringt. Wirklich nicht. Ich bin so ratlos das ich mich im Kreis drehe und mich frage, wie zur Hölle alle um mich herum es schaffen mit all diesen Gedanken, Ängsten und Steinen in ihrem Weg. 
Leute - wie schafft Ihr das?

Kommentare:

  1. Ein Studium ist immer auch nur der Anfang eines Wegs. Wohin es einen verschlägt, sieht man oft erst rückblickend. So, wie du es beschreibst, ist das Studium für dich aber auch mehr eine Flucht, als wirklich eine Vision.
    Wenn es dir um ein gutes Einkommen geht, solltest du vielleicht irgendwas mit Technik machen, denn in sozialen Berufen muss man schon sehr Durchsetzungsstark sein, um ein halbwegs gutes Einkommen zu erhalten. Egal ob mit oder ohne Studium.

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    1. Ein Flucht wovor?
      Durchsetzungskraft hab ich, da mache ich mir wenig Sorgen. Da ich absolut nicht mit Kindern arbeiten will, habe ich noch einen Vorteil. Trotzdem bleiben ganz normale Existenzängste. Es geht nicht darum eine Millionen im Jahr mit nach Hause zu nehmen. Sondern darum leben zu können, ohne jedes Mal ins Dispo zu rutschen wenn mal etwas unerwartetes passiert oder ähnliches.

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  2. Ich kenne deine Situation nur zu gut, denn ich habe auch eine Ausbildung gemacht, die mir nicht gefallen hat. Ich würde dann von meinen Eltern gehindert meinen Weg zu gehen.
    Ich kann nur sagen, dass man immer irgendwelche Auswege hat. Man muss sie eben nur finden. Du wirst etwas finden. Was wäre ein duales Studium für dich? Schau dir andere Optionen an, geh ins Ausland besprich das mit dem Amt. Geh in eine andere Stadt. Auf den ersten Blick schaut das so unauswegslos aus, es dauert aber nur.
    Wünsche dir viel Glück.

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    1. Danke meine Liebe!
      Ich bin sicher es wird irgendwie weiter gehen, manchmal dauert es nur viel länger als man möchte ...

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  3. Was wolltest du denn mit Psychologie machen? Psychologe werden und dann in einer Praxis Leuten bei ihrer selbstreflexion zuhören? Sorry, dir den Zahn ziehen zu müssen, falls das der Fall ist, aber Psychologie Absolventen arbeiten größtenteils in anderen Bereichen. Ich hab echt vielen psychos Nachhilfe in Statistik geben müssen, weil sie mitten im Studium total überrascht waren, dass man nicht den ganzen Tag damit zu bringt, Leute zu analysieren, sondern eben mit (statistischen) Methoden und dergleichen und die dann immer mega desillisioniert waren, dass sie im Psychologie Studium eben nicht zu Freud 2.0 ausgebildet werden. Wenn zu psychologischer Berater werden willst, werde psychologischer Berater, da brauchst du ein Zertifikat für, das unabhängig vom nc ist und dann hat sich der Lack. wenn du im Bereich Forschung/Studien/Personalmanagement/Beratung was machen willst, gibt es da unzählige andere Studiengänge.sowohl als fern als auch Präsenzstudium (Stichwort public health). Verstehe dementsprechend das Problem nicht.

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    1. Danke für deinen Input.
      Ich habe mir viele Gedanken zum Thema Studium gemacht und finde Psychologie eben unheimlich spannend, ob ich damit am Ende ein Therapeut oder "psychologischer Berater" geworden wäre ist nochmal ein anderes Thema. Natürlich gibt es unheimlich viele Studiengänge mit denen man ähnliche Dinge machen kann, aber ICH habe eben mein Abi gemacht um diesen Weg zu gehen. Natürlich ist das festgefahren, aber ich WOLLTE es eben. Gerade weil man nicht nur in die eine Richtung damit kann, sondern sich ein ganzer Fächer an Optionen ausbreitet. Inzwischen denke ich, dass ich einen guten Mittelweg für meine Wünsche und mein Können gefunden habe - trotzdem nagt es eben an einen, wenn man von dem was man sich wünscht abweichen muss.

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