Sonntag, 18. März 2018

Bloggerparade: Ja, ich bin tätowiert und habe einen Job.



Inzwischen sollte man eigentlich meinen, dass Tattoos nichts besonderes mehr sind. Immerhin haben nicht mehr nur böse Rocker und Erotikmodels bunte Haut. Was dem normal denkenden Menschen also klar ist, scheint für den ein oder anderen noch immer ein Wunder zu sein. Ich kann gar nicht zählen wie oft ich schon gefragt wurde: "Wie DU hast einen Job, bei den ganzen Tattoos?"
Man mag es kaum glauben aber meine Körperkunst war bei der Jobsuche bisher nie ein Problem. Egal ob in der Arztpraxis, beim Kellnern oder in der Personalabteilung. Ich musste meine Bilder auf der Haut weder überschminken, noch verdecken. Im Gegenteil sogar, es gab einen Zwischenfall bei dem ich während des Vorstellungsgespräches gefragt wurde, ob ich meinen Arm einmal zeigen könnte.
Aus dem Job ist damals nichts geworden - jedoch nicht wegen den Tattoos, sondern weil ich mehr Gehalt wollte als mir angeboten wurde.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich endlose Diskussionen mit den Großeltern meiner Schwestern führen musste. 
"So findest Du nie einen Job!"
"Du hast Dir Deine ganze Zukunft versaut."
"Nur Kriminelle lassen sich tätowieren."
Eben die ganzen alten Klischees die nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Mein erstes Tattoo bekam ich nicht ganz nüchtern auf dem Hamburger Kiez mit zarten 18. Gleich danach wurde die Sucht größer und die Tattoos wurden bunter und offensichtlicher. Schon bald ging es an meinen linken Arm. Inzwischen habe ich eigentlich kein Körperteil mehr ohne ein buntes Bild. Geschadet hat mir das bisher nicht.
Trotzdem wäre es gelogen zu zu behaupten, ich hätte nie auf einen Job verzichtet nur um mein Aussehen nicht zu verändern. Einige Arztpraxen wollten das ich dauerhaft lange Ärmel trage. Für mich kam das nicht in Frage. Entweder man nimmt mich wie ich bin, oder eben nicht. Es mag dem ein oder anderen seltsam erscheinen, aber ich verzichte lieber auf einen Job bei dem ich mich verstellen muss, als auf meine Körperkunst.
Interessant in den letzten Jahren war für mich jedoch, dass einige Arbeitgeber keine Probleme mit meinen Tattoos hatten, dafür aber mit meiner Haarfarbe. Dabei sollte man doch meinen, dass Qualifikationen mehr sagen. Aber gut.
Auch hier bleibe ich bei meinem Standpunkt. Bei einem Job muss ich mich wohlfühlen, dass kann ich nicht wenn ich mich verändere um in das eher gänige Bild zu passen.
Arbeitslos war ich deswegen jedoch noch nie. Obwohl - bisher war ich ohne hin nur einmal arbeitslos. Für einen ganzen Monat. Aktuell arbeite ich in der Datenerfassung und Kontrolle. Da interessiert es ohnehin niemanden, wie man aussieht. Mein Wunschberuf Sozialarbeiter ist da ebenfalls ziemlich unkompliziert. 
Ihr seht also, Tattoos und Jobs schließen sich nicht aus. Auch nicht wenn man so wie ich bereits Tattoos an den Fingern und am Hals hat. Und nein, nicht jeder von uns wird von seinem Boss versteckt. Manche Klischees sind eben schlichter Blödsinn.

Weitere Beiträge zur Bloggerparade findet Ihr hier:

Kommentare:

  1. Zum Glück ist es nicht mehr so schlimm wie früher mit dem Ansehen der Tattoos. Wobei es immer noch Leute und Firmen gibt, die es nicht mögen.
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

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    1. Ja, ich denke die wird es auch immer geben. Aber inzwischen sind ja fast alle zumindest "klein" tätowiert.

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  2. Naja zum Glück sind die Chefs ja heute liberaler, mich stören Tattoos auch gar nicht. Soll doch Jeder das machen was er möchte :)

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    1. Da bin ich auch ziemlich froh drüber. Natürlich kommt es auch immer ein bisschen drauf an wie man tätowiert ist.

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  3. Och ich hatte da noch nie ein Problem. Bin auch an sichtbaren Stellen farbig angemalt und hab immer einen Job gefunden

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    1. Eben - diese Angst vor Arbeitslosigkeit ist da in meinen Augen ziemlich unbegründet.

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  4. Ich bin nur am Handgelenk tätowiert und als es mein Chef gesehen hat, war er nicht sehr begeistert aber ich denke auch, der Körper gehört einen selbst, also sollte man damit machen können, was man will. Tattoos sagen nicht über die Arbeit aus. Wer das nicht akzeptiert, Pech gehabt.

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    1. Das kann ich dir unterschreiben! Darum lasse ich mich davon auch nicht einschränken. Jeder der mich kennt weiß, dass ich einen Job den ich gern machen möchte auch mit vollem Einsatz mache. Dank für deine Worte!

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