Mittwoch, 28. Februar 2018

Warum Second Hand Mode nicht die Lösung ist


Ich kann förmlich schon sehen, wie einige Leser hier die Augen verdrehen. 
"Man kann auch alles schlecht reden", werden einige sagen und verkrampfen dabei so sehr, dass ihnen wahrscheinlich der Inhalt dieses Posts völlig verloren geht. 
Jeder, der meinen ersten Modepost gesehen hat weiß, dass auch ich zu Second Hand Mode greife. Es gibt viele gute Gründe, sich gebrauchte Kleidung zu kaufen. Der Preis spielt dabei eine große Rolle. Natürlich kommt auch der Gedanke an Nachhaltigkeit sofort auf.  Was wir beim Müll Recycling nennen, ist in der heutigen Gesellschaft Second Hand bei der Kleidung. Doch leider ist Second Hand Mode nicht die Lösung, sondern eher eine Zwischenlösung für alle mit einem schmalen Geldbeutel. 

Die Gründe dafür sind eigentlich ziemlich simpel. Man gibt seine Kaufentscheidung einfach ab. Ohne einen massiven Überkonsum an Kleidung, könnte keiner von uns auf Portalen wie Kleiderkreisel neuwertige Ware zum Schnäppchenpreis ergattern und damit sein Gewissen erleichtern. Man sorgt also unbewusst dafür, dass andere Menschen ihrer Konsumlust weiter fröhlich nachgehen. 
Ähnlich sieht es auch bei den Materialien aus. Niemand fragt kritisch nach, ob Schuhe aus Leder sind, wenn sie bereits vorher getragen wurden. Oder ob es sich um Bio Baumwolle handelt. Oder, oder, oder. 
All diese kritischen Aspekte werden bei Second Hand Mode schlicht und ergreifend vergessen. 
Ebenfalls ein Punkt der gern vergessen wird: Man macht Werbung für Dinge, die keine Werbung verdienen. Trägt man z.B. eine Levis Jeans aus zweiter Hand macht man für die Marke Werbung. Und das überall, wo ihr die Markte tragt. 
Das gilt natürlich für alle Marken. Nike, Convers, H&M oder Deichmann. 
Seinen Kleiderschrank auszusortieren und alte Kleidung an "ärmere" Menschen zu geben, hat schon fast Tradition. Aber auch hier sollte man sich selbst kritisch hinterfragen. Wieso kann man überhaupt alle paar Monate ganze Säcke in die Kleiderspende bringen?
Und was passiert überhaupt mit den Sachen? Welche Auswirkungen hat es? 

Versteht mich nicht falsch, es geht hier nicht darum, Second Hand zu verteufeln. Viel mehr sollten wir generell den Konsum bedenken. Ich habe schon einige großartige Kleidungsstücke in Second Hand Shops vor Ort oder online gefunden und ich selbst biete auch immer wieder alte Kleidung an, die mir selbst nicht mehr passt oder von der ich denke, dass ich noch ein paar Groschen dafür bekommen könnte. 

Dennoch kann man seinen Kleiderschrank nicht mit guten Gewissen nur mit Second Hand Stücken ausstatten. Denn das bringt in der misslichen, globalen Situation schlicht und ergreifend nichts. Die Situation des Überkonsums wird dadurch höchstens noch angestachelt, fair produzierte Ware wird dadurch nicht gekauft und unterstützt. 

Wer seinen Kleiderschrank fair gestalten möchte, kommt nicht drum herum neue Kleidung zu kaufen. Doch auch hier bedeutet das nicht, dass man einfach jegliche vorhandene Kleidung wegbringen und munter drauf los shoppen soll. 
Second Hand in Maßen ist völlig okay, wenn man nicht das Geld hat sich einen dicken Winterpulli aus Bio Baumwolle zu kaufen. Es ist okay, die Notlösung zu nehmen. Aber auch dann reicht ein Pulli. Bei zwanzig, die dann nach dem Winter in der Kleiderspende landen hat niemand etwas gewonnen. Am wenigsten man selbst. 

Wie denkt Ihr über Second Hand Mode?


Kommentare:

  1. Hey Jule,
    finde ich sehr wichtig, was Du da schreibst. Ich kenne nämlich mehr als eine Person, die ihren Konsum nicht im Griff hat und ihr Heim durch einen regen Abverkauf auf eBay oder Kleiderkreisel vor dem Messitum rettet. Anstatt sich im Vorfeld Gedanken zu machen. Allerdings finde ich, dass auch Öko-Mode nicht die Lösung per se ist, denn hier werden einfach nur die Rohstoffe ausgetauscht, bestenfalls noch die Arbeitsbedingungen der Produzenten. Es ändert sich aber nichts an den Zyklen der Modebranche.
    Herzliche Grüße, Carla

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    1. Das stimmt! Natürlich ist Bio Baumwolle schöner, als Plastik in Shirt Form - aber dennoch muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern. Dieser Überkonsum bringt viele um Kopf und Kragen. Von der Umwelt ganz zu schweigen!

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  2. Hi Jule!
    Ich stimme dir zu, Second Hand sollte nicht dafür gedacht sein, seine alten Sachen zu verkaufen, nur um dann -im schlimmsten Fall- einen noch größeren Haufen an Kleidung zu kaufen. Ich habe tatsächlich erst vor Kurzem Kleiderkreisel entdeckt und war erschrocken, wie viele neue Pullover dort gehandelt werden. So schnelllebig darf Mode einfach nicht sein, das kann einfach nicht richtig sein.

    Ich bin der Meinung, dass man sich bewusst machen sollte, was man überhaupt benötigt. Diese Sachen sollten dann eher zeitlos sein, damit man sie über mehrere Jahre hinweg anziehen kann. Der japanische Minimalismus ist da eine große Inspiration für mich.

    Ich finde, dass Second Hand wie eine Tauschbörse funktionieren sollte, so kommt so lange nichts Neues in den Umlauf, bis die Sachen ihr Ableben erreicht haben. Danach werden eben nachhaltige Produkte gekauft.
    Dafür muss aber wirklich ein Umdenken erfolgen. Dieses könnte dann auch zur Änderung der Herstellungsbedingungen von H&M etc. führen. Aber solange nicht eine Revolution von unten kommt, ändert sich da leider nichts.

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    1. Gerade dieser Punkt mit dem Bewusstsein ist schwierig - die meisten Menschen schauen eben einfach weg. Es ist ja auch viel einfacher so. Ich hoffe wirklich, dass bald noch mehr Menschen umdenken. Ich kenne ja beide Seiten - hätte mir jemand vor 6 Jahren gesagt, dass ich vegan lebe und faire Kleidung kaufe ...
      Aber leider erreichen diesen Punkt nicht alle Menschen. Dabei ist es gar nicht so schwer sich ein bisschen umzustellen. Langsam aber sicher, haben wir eine sehr große Auswahl an FairFashion. Da sollte eigentlich für alle etwas dabei sein. Danke für deinen Kommentar!

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