Mittwoch, 21. Februar 2018

Justine privat - Der Schattenmann

Shirt: MotteKlamotte 

Ich glaube, still und heimlich haben wir alle einen. Oder auch eine Schattenfrau, vielleicht sogar beides.
Jemand, in den wir irgendwie schon immer verliebt waren/sind, nicht offiziell und vielleicht nicht einmal immer bewusst. Wir haben uns ausgemalt wie es wohl wäre, wenn wir mit diesem jemand zusammen wären. Vor unserem geistigen Auge lief ein Liebesfilm, so schön dass er wohl nie Realität werden kann. 
Wie es wäre ihn/sie zu lieben und wenn diese Liebe sogar erwidert werden würde, ja was dann?
Ich kann mich gut daran erinnern wie ich ihn heimlich aus der Ferne vergöttert habe. 
Mit pochendem Herzen habe ich die Momente, in denen wir mit einander gesprochen haben, im Kopf noch einmal durchgespielt und mit vorgestellt was gewesen wäre, wenn ich ihn einfach geküsst hätte - oder eben, wenn er mich geküsst hätte. 
Doch davon geschah beides nicht. Und das war auch okay.
Es war ein kleiner, geheimer und schmutziger Traum in meinem Kopf, von dem ich zeitweise auch gar nicht wollte, dass es mehr wurde. Dazu war die Fantasie einfach viel zu schön. Ein Traum kann nicht zerbrechen, so lange er nicht ausgelebt wurde. Er bleibt etwas reines, das nur einem selbst gehört. Wie ein Buch, das einem peinlich ist und wartend im Regel steht, immer wieder gelesen wird, sodass die Seiten schon ganz abgegriffen sind. 
Eine Liebe die nicht zerbrechen kann, weil sie nicht gelebt wurde bietet einem eine ganz außergewöhnliche Sicherheit an. Doch irgendwann wird die Sehnsucht nach der Realität zu groß. So war es zumindest bei mir und meinem Schattenmann. 
Vielleicht haben einige von Euch sogar schon das Glück in einer Beziehung mit dieser Person zu sein, oder haben das Spiel der Liebe verloren ...
Auf mich trifft ersteres zu.
Ich habe eine Beziehung mit meinem Schattenmann.
Als es geschah, war ich schlicht überwältigt und hatte Angst – ich wollte meinen perfekten Traum nicht mit der Realität vermischen. Es lief nicht ab wie in einem Film, es war anders. Anders als ich es mir vorgestellt hatte und trotzdem fühlte es sich an, als hätte jemand mein Leben plötzlich in einen kitschigen Film verwandelt. Ich versuchte angestrengt meine Gefühle irgendwie zu relativieren, schob es auf den grandiosen Sex und wollte nicht wahrhaben, dass hinter der Flut an Hormonen vielleicht auch echte Liebe stecken könnte. 
Gefühle sind heimtückisch und irgendwie bittersüß. 
Doch er blieb wo er war. Wartend, wie ich all die Jahre gewartet hatte. Ich wehrte mich nach allen Kräften gegen eine wirklich ernste Beziehung. Stattdessen suchte ich Ausflüchte, sagte ich sei nicht so weit, dass die alte Liebe nicht lange genug her wäre. Doch er blieb wo er war. Für ihn stand eine Beziehung fest, obwohl ich ihn immer wieder abwies verliebten wir uns. 
Und das ist wunderbar.
Denn es ist egal ob am Ende alles gut geht – wichtig ist nur, dass dieser Traum in Erfüllung geht. Und glaubt mir, die Realität ist fast noch schöner als der Traum. 
Die Realität ist schwerer, nicht so rosa und der Glitzerstaub hält nicht ewig - doch immer wenn es gerade nicht so gut läuft, kommt wie in einem Traum doch wieder ein Einhorn aus dem Schatten. Beziehungen sind nicht das, was Hollywood uns vorspielt, sie sind kompliziert, anstrengend und zeitweise rauben sie einem den letzten Nerv: Dennoch macht es mit der richtigen Person einfach nur Spaß. 
Jedes Auf und Ab bringt einen näher zusammen, baut sich auf zu einem Turm, der vielleicht wankt, vielleicht sogar zerfällt - aber dennoch auf einem Fundament steht. 
Liebe ist zerbrechlich und unberechenbar, es gibt keine Garantie und kein Umtauschrecht. Sie muss einfach gelebt werden, mal als brennendes Feuer, mal als heimliche Glut. 
Liebe ist nichts was ewig andauert, nicht immer. Aber manchmal bekommen wir einen zarten Hauch davon. 




Kommentare:

  1. Du schreibst einfach wundervoll. Ich war gerade hin und weg beim Lesen und deine Worte sind so schön.
    Liebe Grüße, Mona

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