Mittwoch, 10. Januar 2018

Meckermittwoch: „Oh nein, meine Klicks gehen runter!“ - Warum der Content tot ist und Clickbait-Puff lebt



In der Bloggerwelt ist es manchmal ziemlich vorhersehbar. Immer wenn Google, YT, Instagram, FB, Twitter oder sonst eine Plattform etwas an ihren Algorithmen ändert, hagelt es sofort Beschwerden:

„Meine FB Reichweite ist ja gesunken, wie soll ich denn da noch Menschen erreichen?“
„Meine YT Karriere ist quasi zu Ende!“ 
„Hilfe wie bekomme ich meine Klicks wieder hoch?“

Jede FB-Gruppe, jedes Forum zum Thema bietet die gleiche Palette an Fragen an. Ich reagiere fast immer gleich, lege den Kopf schief und nippe an meinem Kaffee, während ich darüber nachdenke ob, es tatsächlich ein Problem gibt. 
Ich bin niemand, der leugnen würde, dass Klicks und Likes einem Blogger etwas bedeuten. Was ich jedoch nicht verstehe, ist, dass scheinbar alles nur noch darauf hinausläuft, hübsche Zahlen zu haben. Mein kleiner bescheidener Blog spielt nun wirklich keine große Rolle, aber bisher habe ich kaum etwas davon bemerkt, wenn irgendwelche Seiten irgendwelche Algorithmen verändert haben. Wahrscheinlich, weil es an meinem Blog nichts ändert. Ich poste und schreibe über die gleichen Themen, habe die gleichen Stammleser und ab und zu gewinne und verliere ich jemanden dazu. Thats it!

Die Online-Welt ist eben ziemlich schnelllebig - und vor allem ziemlich überfüllt. Da kann man schon froh sein, wenn man aus der Masse zumindest etwas heraussticht. Doch so wirklich scheint das keinen zu reichen, stattdessen wird eben mit allen Tricks gearbeitet, um möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen. 

„Ich habe extra ein Gewinnspiel gemacht, aber danach wurden meine Klicks/Likes/Aufrufe/Wasauchimmer wieder weniger - woran liegt es?“

Vielleicht daran, dass Leser nur temporär käuflich sind?
Gewinnspiele ziehen eben an - denn es gibt quasi kostenfrei Geschenke. Übrigens nutzen nicht nur vermeintlich kleine Blogger genau das aus, sondern auch die wirklich dicken Fische. Gerade vor Weihnachten wird man auch von großen Bloggern und YTern mit Gewinnspielaktionen überschüttet. Natürlich lassen die Chancen auf eine Xbox oder einen neuen Fernseher, die Klicks und Abos ansteigen. Eine ganz logische Folge der Konsumgesellschaft, „Content is King“ ist schon lange tot. Die neuen Besucher interessieren sich nicht für den Inhalt der Seite oder der Videos, sie wollen etwas abstauben. Klappt das nicht, sind sie auch schnell wieder weg oder werden zu „Zombie Lesern“ die zwar irgendwie da sind, aber nicht wirklich lebendig. 

Neben den ganzen Gewinnspielen gibt es auch noch den Clickbait-Puff, der spätestens seit der BILD-Zeitung den Weg in die Medien gefunden hat. Eine möglichst provokante Überschrift zieht Klicks an. Das ist ein einfacher Fakt. 
YouTube hat genau das perfektioniert - am besten kommen Überschriften an, die einem Sex versprechen oder zumindest sexistisch sind. Gleich dahinter auch gerne Gewalt und/oder Hass. 
Je oller, desto doller - um es in der Sprache von Helene Fischer Fans zu sagen. Schöne Schlagworte aneinander reihen und am besten mit einem Bild würzen, dass entweder viel nackte Haut zeigt oder den „besorgten Bürger“ von heute gewaltbereit. Alternativ auch gerne das Feindbild des Bürgers. 
Möchte man das nicht, zieht auch Sexismus immer wieder - entweder man macht die Männerwelt runter, beschimpft Frauen als Schlampen oder zeigt mittels Prank wie homophob man(n) ist. 
Hauptsache ein Skandal liegt in der Luft! So wird man erfolgreich … Oder zumindest zieht man so Klicks an. 

Natürlich ist es wichtig, eine gute Überschrift zu haben. Natürlich geht es um Klicks, Erfolg und darum, Leser für sich zu gewinnen: Aber bitte in einem Rahmen, der zumindest halbwegs erträglich ist. 
Die ständig gleichen Themen, mit den gleichen Schlagworten und gleichen, selbst geschaffenen Problemen gehen einem schlicht auf den Keks. 

Ich persönlich lese lieber die kleinen Blogs, denn hier sehe ich noch echte Menschen und echte Themen. Für Sex und Skandale habe ich andere Plattformen. Zum Rumheulen übrigens auch. 

Kommentare:

  1. Ich freue mich wenn jemand kommentiert, das es gefällt, was ich mache und schreibe. Wenn dann diese Person meinem Blog folgt, ist das natürlich schön. Denn ein Blog ohne Leser ist ja leblos. Gewinnspiele oder Verlosungen habe ich auch gemacht, aber das werde ich erstmals in diesem Jahr nicht machen, weil es nicht wirklich neue Leser bringt. Vor Weihnachten gab es eine regelrechte Flut von Verlosungen auf den Blogs und ich hatte Glück und habe auch gewonnen. Bei den meisten Blogs bin ich schon lange Leserin. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich mich bedanke und ein Foto des Gewinns bei Instagram oder FB poste.
    LG Elke

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    1. Ja, ich weiß was du meinst. Gerade dieses "überfluteten" sorgt ja dafür, dass kaum jemand es zu schätzen weiß. Sehr Schade, denn die meisten Blogger sind ja wirklich mit den Herzen dabei und werden nur übersehen.

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  2. Treffend formuliert. Ich erwische mich ja trotz meiner eigentlichen "Ich mach es für meine 2 Fans und zur Selbsttherapie" Einstellung dabei, dass ich mich bei einem Ausschlag des Besucherzählers nach oben ein bisschen mehr freue. Das Dilemma sind die vielen, die glauben, dass jeder vom Testen von ein paar Drogerieprodukten leben kann... :D

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    1. NATÜRLICH freut man sich über viele Klicks. Das ist völlig okay. Es ist auch okay zu hinterfragen warum gerade der Post XYZ nicht so gut ankam. Alles im Rahmen. Nur dieses Reduzieren auf Klicks und Likes bringt einfach niemanden etwas. In der Onlinewelt gibt es Millionen von Seiten. Da sollte man sich vor Augen halten, dass 100 Klicks schon viel sind.

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  3. Als Blogger Neuling beobachte ich die ganze Sache natürlich noch etwas gelassener als die großen Blog Betreiber, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

    Ich bin auch noch auf der "kein Stress" Schiene, dennoch schreibe ich ja, damit die Leute meine Beiträge lesen, denn sonst könnte ich ja auch einfach nur ein Tagebuch schreiben.

    Als Anfänger ist es halt unendlich mühsam um Blogger Universum gesehen, besser gesagt gelesen zu werden und das ist schon ärgerlich, denn ich habe oft dad Gefühl, dass social media nicht besonders sozial ist.

    Nichts desto trotz, bleibe ich meiner Einstellung treu und versuche gute Inhalte abzuliefern und die Leute nicht nur mit provokanten Überschriften anzulocken.

    Liebe Grüße, Kay.
    www.twistheadcats.com

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    1. Ich denke genauso ist es auch richtig. Man könnte sich natürlich mit Follow4Follow und gekauften Likes pushen - an Ende bringt das jedoch auch nicht viel mehr Leben auf den Blog und die Sozialen Medien. Sieht eben nur hübscher aus. Dafür dann lieber 100 echte Menschen.

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  4. Ich würde behaupten: Content ist schon noch King. Es kommt halt daran auf, welche Leser du haben möchtest. Wer "nur" Goodies raushaut und ein Gewinnspiel nach dem nächsten veranstaltet, um die Leserzahlen nach oben zu treiben, der muss sich nicht wundern, wenn die Leser mit einer Abstaubermentalität dann eben auch wieder verschwinden. Und wie die Wanderheuschrecken dorthin ziehen, wo es mehr zu gewinnen gibt. Ich denke sogar, dass Inhalte mit MehrWert über Themen, die dir als Bloggerin am Herzen liegen, der einzige Weg sind, um nicht unterzugehen. Nur ein groooßer Influencer wirst du so wahrscheinlich nie. Aber irgendwas ist ja immer. ;)

    LG Anna

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    1. Die Frage ist natürlich auch, ob die Mehrheit der Blogger überhaupt "groß" werden möchten.
      Ich kann da nur von mir selbst ausgehen und hätte ehrlich gesagt wenig Lust "nur" zu bloggen und die sozialen Medien zu nutzen. Das der Content noch King ist, finde ich allerdings nicht. Auch wenn mir das lieber wäre.
      Für mich fühlt es sich so an, als würde die Waage gerade in Richtung "Hauptsache schön anzusehen und nicht negativ" ausschlagen. Aber das kann sich natürlich auch jeder Zeit ändern. Das Internet ist schließlich ziemlich flott und sprunghaft, was die Entwicklung angeht.

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