Sonntag, 14. Januar 2018

Ja, ich habe abgetrieben - Ein Interview

Es ist für viele Menschen nicht leicht, über dieses Thema zu sprechen.
Die Meinungen gehen teilweise so stark auseinander, dass eine ruhige und sachliche Diskussion nicht möglich ist. Dennoch kann man nicht leugnen, dass jeden Tag Abtreibungen vorgenommen werden. Wie sich die Frauen und potenziellen Nicht-Väter dabei fühlen, wird gerne verschwiegen. Nach dem ich meine persönliche Erfahrung zum Thema geteilt habe und auch die einer Blogger Kollegin, geht es heute um Anna. (*der Name wurde zum Schutz geändert.)
Anna ist ebenfalls Bloggerin. Doch für sie kommt es nicht infrage öffentlich und ohne Schutz über ihre Abtreibung zu sprechen. Umso überraschter war ich, als sie sich dazu entschied ein Interview via Skype mit mir zu führen. 


Vielleicht beginnst Du damit in was für einer Situation Du warst, als dir bewusst wurde, dass Du schwanger bist. 

Anna:
Ich war damals 21. 
Mein Berufsleben fing gerade erst an. Die Ausbildung war zu Ende, die Beziehung wurde ernster. Wir wollten zusammen ziehen. 
Und dann blieb meine Regel aus. Zu erst dachte ich mir nicht viel dabei.

Wann hast Du einen Test gemacht?

Anna:
Als mir klar wurde, dass ich schon 4 Wochen drüber bin.
Es war eine stressige Zeit, ich habe einfach nicht darauf geachtet. 

Wie hat sich das Ergebnis angefühlt?

Anna: 
Ich habe den Test ohne meinen Freund gemacht. Auch er hatte zu dieser Zeit viel Stress. Ich wollte nicht, dass ich vielleicht ganz ohne Grund Panik mache. Also habe ich den Test in meiner Mittagspause auf der Damentoilette gemacht.
Ich könnte jetzt behaupten, dass ich völlig geschockt war. Aber eigentlich war es eher ernüchternd. Da war dieses kleine Plus. Einfach nur ein Zeichen, dass mir sagte das ich schwanger war. 

Was passierte dann?

Anna (lacht):
Ich bin wieder arbeiten gegangen. 

War Dir zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass Du dieses Kind nicht austragen willst?

Anna: 
Ich glaube schon. Es ist schwer zu erklären. 
Die Tage nach dem Test war kaum Zeit darüber nachzudenken. Ich war wie automatisiert. Irgendwie schaffte ich es sogar zwischen meinem Job und dem Umzug, einen Termin beim Frauenarzt zu machen. Meinem Freund sagte ich noch immer nichts. 

Warum nicht?

Anna (überlegt): 
Ich glaube ich hatte Angst. 

Vor seiner Reaktion?

Anna:
Oder von meiner. Ich bin mir nicht sicher. 
Ich glaube, dass ich dieses Kind nicht haben will, wurde mir erst klar, als ich beim Arzt das Ultraschallbild sah und absolut nichts fühlte. Alle berichten immer darüber wie schön es ist, dieses kleine Wesen zu sehen. Alles was ih gespürt habe war Ekel. Ich wollte nur, dass es wieder aus mir raus kommt. 

Wie hat Dein Arzt reagiert?

Anna: 
Gut, er hat mir die Adresse einer Konfliktberatung gegeben und einen Termin für den Abbruch gemacht. Insgesamt war er sehr sachlich, hat mich darüber aufgeklärt wie das Ganze ablaufen würde und was ich beachten muss. 

Und hast Du es danach deinem Freund erzählt?

Anna: 
Das wollte ich. 
Aber ich habe es nicht getan. 

Du hast ihm nichts von Deinen Plänen gesagt?

Anna schüttelt den Kopf. Dann sagt sie:
Es ist nicht so, dass ich es nicht wollte. 
Mir war klar, dass es auch sein Kind sein könnte. Aber ich hatte entsetzliche Angst. 
Zu Recht wie sich noch zeigen sollte. Ich habe den Mund gehalten und bin alleine zum Abbruch gegangen. 

Und er hat nicht bemerkt, dass etwas anders ist?

Anna:
Nein. Zumindest nicht vorher. 
Ich hatte ja keine großen Veränderungen. Mir war nicht schlecht, oder so etwas. 
Es ging mir körperlich gut. Geistig auch. Ich wollte eben nur, dass es endlich vorbei ist. 

Und dann kam der Abbruch?

Anna: 
Ja. Es war nicht so schlimm wie ich gedacht hatte. 
Als die Krämpfe anfingen und es endlich aus mir rauskam, war ich einfach zur erleichtert. Danach ging es mir auch nicht schlecht. Im Gegenteil, es war ein wirklich gutes Gefühl meinen Körper einfach wieder für mich zu haben. 

Danach bist Du also nach Hause gegangen - und dann?

Anna: 
Dann habe ich den Fehler gemacht meinem Freund alles zu sagen. 


Warum nennst Du es einen Fehler?

Anna:
Weil wir wahrscheinlich noch zusammen wären, wenn ich es nicht getan hätte. Alles wäre ganz anders gelaufen.
Ich wollte dieses Kind nicht. Es war ein Unfall, selbstverschuldet aber dennoch ungeplant. Als ich ihm sagte, dass ich gerade eine Abtreibung hatte ist er völlig ausgerastet. Rückblickend wusste ich wahrscheinlich unterbewusst, dass er daraus so eine große Sache machen würde. 

Er hätte also gewollt das Du dieses Kind bekommst?

Anna:
Ja. 
Für ihn war es wohl wie ein Messer in seinem Rücken, dass ich es nicht wollte. Danach war es zwischen uns so gut wie aus. Er konnte mir einfach nicht verzeihen, dass ich sein Kind im Klo herunter gespült hatte. 
Es war ihm egal, dass ich keine Gefühle für dieses Ding in mir hatte. 

Ihr habt Euch also danach getrennt?

Anna: 
Nicht sofort. 
Aber es wäre besser gewesen. 
Monatelang hat er versucht mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Mir zu sagen, dass ich etwas furchtbares getan habe. Aber das habe ich nicht. 
Es war meine Entscheidung. 
Im Nachhinein tut es mir nur leid, dass ich es überhaupt zur Sprache gebracht habe. 
An einem Abend eskalierte die Situation so sehr, dass er mich schlug. 

Das tut mir wirklich leid. 

Anna:
Das muss es nicht. 
Ich weiß, dass ich das richtige gemacht habe. Für mich. 
Wie alles abgelaufen ist, war schrecklich. Aber die Entscheidung kein Kind zu bekommen habe ich nie bereut. 

Gibt es etwas, dass Du anderen Frauen in dieser Situation sagen willst?

Anna: 
Man sollte immer prüfen, ob man ein schlechtes Gewissen hat oder ob es einen nur eingeredet wird. Eine Abtreibung ist nicht vergleichbar bin meinem Zahnarzt besuch, aber es ist auch nicht der kalte Mord, für den es viele halten. 


Danke an Anna. 

Kommentare:

  1. Alter ganz ehrlich - so etwas dem Partner zu verheimlichen ist schon echt krass unreif und unvernünftig. Ich sehe das als ganz groben Vertrauensmissbruch ihrerseits und hätte mich wohl sofort getrennt wenn ich ihr Freund wäre. Auch wenn es unser Körper ist - es ist auch das Kind des Mannes. Letztendlich trifft eh die Frau die Entscheidung und der Mann muss es akzeptieren, aber mitnehmen & teilhaben lassen muss man ihn während dem Prozess zu 100%. Scheinbar hat sie aber nichts aus der Sache gelernt, schade.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich sehe dieses Thema sehr zwiespältig.
      Auf der einen Seite stimme ich dir natürlich zu - irgendwie sind ja beide an dieser Sache beteilig und ich möchte keinem Mann das Recht absprechen zumindest seine Seite erklären zu dürfen. Auf der anderen Seite scheint sie gewusst zu haben, was passiert wenn sie es ihm sagt. Dass er am Ende sogar gewalttätig wurde spricht nicht gerade für ihn.
      So oder so, wir können über nichts urteilen, dass wir nicht selbst erlebt haben.
      Ich hoffe nur, sie muss so eine Situation nicht noch einmal und nicht alleine durchstehen.

      Löschen
    2. In diesem Fall hätte es die Sache nur noch schlimmer und unerträglicher gemacht und wahrscheinlich so oder so zu einer Trennung geführt. Einer von Beiden wäre zu einer Entscheidung gezwungen worden, die er nicht will.

      Löschen
    3. Ja, eine wirklich schlimme Situation. Ich hoffe keiner von Beiden muss so etwas noch einmal durchmachen.

      Löschen

Alice´s vegan Wallets - Geldbörse von #denkefair

Geldbörse von:  https://www.denkefair.de/ Preis: 49,90 Euro Ich habe ja schon mal angedeutet, dass ich mir gewisse Dinge lange zusamme...