Dienstag, 24. Oktober 2017

Was zur Hölle soll die #fairtrade Scheiße?

Rucksack: http://www.hangmanclothing.com/

Als ob das einen wirklichen Unterschied machen würde“, sagt sie und schnaubt grimmig in ihren Milchkaffee. „Man kann doch eh nichts ändern. Was soll es bewirken, wenn ich für mein T-Shirt das 5-Fache ausgebe?“ 

Dieses Mädchen war ich vor einigen Jahren. Völlig verblendet und egoistisch. Ich hatte keine Ahnung, aber eine Meinung und ich wurde nicht müde, diese auch laut zu verkünden. Während ich mich auf der einen Seite gegen den viel zu niedrigen Mindestlohn auflehnte, kaufte ich bei Primark billig ein. 
Wie absurd das war, fiel mir erst viel später auf. 
Inzwischen vermeide ich es überhaupt noch etwas anderes als #fairtrade zu kaufen. Aber ich bin ehrlich: Ganz am Ziel bin ich noch nicht.
Der innere Schweinehund flüstert auch mir noch immer ein, dass dieses eine Shirt noch okay ist. Dass ich kein schlechter Mensch bin, nur weil der Stoff mit den Tränen der überarbeiteten Näher durchtränkt ist. 
Um mich selbst quasi auf Kurs zu halten, habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Bisher mit Erfolg. 

Aber was ist denn nun dieses sagenumwobene Fairtrade? 

Das Prinzip ist ziemlich einfach: Fair gehandelte Ware. 
Das bedeutet nicht nur faire Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, sondern auch eine geringe Umweltbelastung. Und JA: Es ist wesentlich teurer. Das ist Bio Fleisch auch. Oder Gemüse. Obwohl man bei Gurken ja inzwischen quasi die Plastikverpackung mit bezahlt. Aber das ist noch mal ein anderes Thema.
Damit Produkte das Siegel erhalten, müssen sie gewisse Standards erfüllen. Grob gesagt bestehen diese aus zwei Teilen: Kernanforderungen und Entwicklungsindikatoren. Es müssen also grundlegende Dinge, wie eine „ausreichende“ Bezahlung des Personals und ein „sicheres“ Arbeitsumfeld gewährleistet werden. Dass sich dies nicht immer optimal erfüllen lässt, ist dabei klar - jedoch sollte man sich dabei auch ins Gedächtnis rufen, wie die Bedingungen bei Produzenten sind, die dies gar nicht erfüllen. Die Entwicklungsindikatoren richten sich nach der Optimierung. Das betrifft also Fragen wie: Wie produzieren wir wirtschaftlich mehr, ohne dabei die Umwelt mehr zu belasten?
Wer also Produkte mit dem Siegel kauft, bekommt dafür nicht nur den guten Willen des Produzenten, sondern fördert auch dessen Entwicklung. 

#mimimi das ist mir zu teuer. 

Wie soll etwas besser produziert werden, wenn man nicht mehr dafür verlangt? Richtig, gar nicht. Wer Lust hat, noch mehr Pestizide zu schlucken als nötig und irgendwann im Müll der Menschheit zu ersticken, kann also gerne weiter #FastFashion kaufen. Dann sollte man es sich jedoch zwei Mal überlegen, ob man rummotzen möchte, nur, weil man keine Gehaltserhöhung bekommen hat. Dinge, die „besser“ sind, können nicht ohne Förderung entstehen.
Das ist ein einfacher Fakt. 
Menschenrechte, Klimaschutz, Tierethik und die eigenen Gesundheit sind also Punkte, die den höheren Preis von fair gehandelter Ware rechtfertigen. 

Es ist nicht alles fair, was glänzt 

Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass ein einfaches Siegel davor schützt, Konzerne zu unterstützen, die nicht in allen Lagen optimal sind. Aber es ist immerhin ein Anfang. Welcher Skandal auch immer jährlich durch die Presse geistert, ändert nichts daran, dass faire Produkte immer noch weniger Schaden anrichten als möglichst billige. Ich will nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen und ich habe keine Lust auf Diskussionen über „Gutmenschen“ und Kommentare wie „Ich könnte das ja nicht“ - das ist alles nicht zielführend. 

Du bist der Konsument. 
Es liegt in Deiner Verantwortung, was Du konsumierst. 
Entweder Du nimmst diese Verantwortung an und machst das Beste daraus, oder es ist Dir egal. Wenn Letzteres zutrifft, beschwer Dich aber bitte nicht über die große böse Welt. Denn Du bist davon genauso ein Teil, wie wir alle.

Kommentare:

  1. Ich muss zugeben: Bei den Sachen, die ich kaufe steht auch nicht immer Fairtrade drauf, aber ich bemühe mich.
    Was viele Konsumenten nicht sehen, ist, dass es gar nicht unbedingt teurer ist. Man muss seine Einstellung ändern. Weniger aber hochwertiger kaufen.

    Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, dass perfekte Fair-Trade Bedingungen nicht mein einziges Kaufkriterium sind: Ich kaufe zum Beispiel gerne Kleidung von Fjell Raven, die zwar schon einiges tun im Bereich Nachhaltigkeit und Fairness aber durchaus noch deutliches Verbesserungspotential haben, weil ich weiß: Die Kleidung passt, erfüllt im robusten Outdoor-Gebrauch ihren Zweck und hält lange. Das ist m.E. auch ein Aspekt von Nachhaltigkeit, Sachen nicht dauernd ersetzen zu müssen.

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  2. Das Absurde bei dem Thema ist meiner Meinung nach, dass viele Leute motzen Fair & Öko wäre so teuer, dann aber teuren Markenläden die Türen einrennen, weil dann eine bescheuerte Möwe oder - hier ein Markenzeichen nach Wahl einsetzen - drauf ist. Der Unterschied zwischen Fair Fashion und Fast Fashion ist in dieser Preiskategorie dann nur noch, dass bei Fair Fashion das Geld anders investiert wird. Während Hollister & co. 50% in die Marke stecken und sich selbst daran bereichern wird bei fairer & ökologischer Mode auf die Umwelt geachtet und ordentliche Löhne gezahlt.

    Ich war, als ich auf fair & öko umgestiegen bin wirklich schockiert, dass viele Sachen nichtmal unbedingt viel teurer sind als was man sonst so kauft - außer natürlich man vergleicht mit Primark. Aber viele Leute die ich kenne kaufen bei Marken ein und da kann man das gleiche Geld einfach woanders besser investieren.

    Außerdem muss man das ganze auch mal auf die lange Sicht sehen: Primark verkauft halt auch einfach keine Qualität. Qualität hat seinen Preis und wenn ich mir alle paar Wochen - überspitzt dargestellt - ein neues T.Shirt bei Primark kaufen muss, weil das alte kaputt ist, kann ich auch 1x mehr Geld in die Hand nehmen und mir etwas ordentliches davon kaufen.
    In meinem Kleider- & Schuhschrank sind inzwischen sehr viele Sachen 4-5 Jahre alt und kaputt ist mir schon lange nichts mehr gegangen.

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    1. Sehe ich ähnlich - man merkt einfach ob Dinge gut verarbeitet wurden oder nicht. Natürlich kann sich nicht jeder mal eben eine Jacke für 300 Euro leisten. Muss man sich allerdings alle 2 Jahre eine neue kaufen, ist es vielleicht sinnvoll das Geld mal zu sparen und dann richtig zu investieren. Wenn man damit noch etwas gutes tut - wo ist dann das Problem?
      Mir fällt auch immer wieder auf das "alternative" Menschen oft große Marken kaufen, was für mich ein Widerspruch ist.

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  3. Diese ganze "Geiz ist geil" Entwicklung, vor allem im deutschsprachigen Raum, geht mir auch schon längstens auf die Eierstöcke! Deutschland hatte einmal eine wirklich gute Textiindustrie. Durch den typischen Drang, immer alles billiger zu kriegen, haben wir unsere eigenen Unternehmen in den bankrott geschickt. Diese widerliche diebische Freude, wenn mann ein "Schnäppchen" ergattert hat - ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte. Echt. Ich bin ein "second hander" und Vintage fan. Das, was Anderen nicht mehr "passt", egal ob stilmäßig oder größenmäßig, landet oft im Second Hand Shops. Richtig gute Qualität.
    Es gibt in meiner Heimatstadt einige richtig gute Läden. Dort stöbere ich erst einmal, bevor ich, wenn ich nichts passendes finde, wieder zu Peek & Cloppenburg pilgere. Jemand sagte zu mir: "Warum machst du das.?Das bringt doch nichts. Millionen machen es nicht." Da meinte ich: " Wenn du 1000 Seesterne am Strand entdeckst, und du wirfst nur einen wieder ins Meer, dann macht es genau für den einen Seestern enorm viel aus. Und so sehe ich es auch mit Menschen, die bewusst kaufen. Es macht schon für einen persönlich enorm viel aus - und das ist ein gutes Gefühl."
    Schöner Artikel, der hoffentlich weitere Leserinnen nachdenklich macht, und zum Umdenken veranlasst. Gerne gelesen.

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    1. Lieben Dank Marion!
      Ich kaufe auch viel aus zweiter Hand, besonders bei Schuhen! Es ist teilweise wirklich heftig, wie viele völlig ungetragene Schuhe wiederverkaufen. Oftmals hört man dann: "Die waren halt im Angebot". Dieser Überkonsum ist einfach für niemanden gesund. Da spare ich lieber auf ein Teil oder freue mich über Schnäppchen auf Flohmärkten (real wie online).
      In meiner Heimatstadt gibt es leider nicht viele Läden in denen ich stöbern könne :/
      Und ich bin auch bei weitem noch nicht perfekt, was das ökologische Leben angeht. Aber jeder Schritt ist, wie du es mit den Seesternen so schön gesagt hast, wichtig und richtig.
      Danke für dein Kommentar!

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