Mittwoch, 20. September 2017

Meckermittwoch: Warum ich bei der Wahl rot sehe


Mit der Wahl ist es ein bisschen wie mit der Schule. Alle meckern rum, dass sie dort hin müssen, weil sie keinen Plan vom Stoff haben. 
Die „Protestwähler“ oder auch Nazis sind in meinem Gleichnis wohl die Mobber - oder doch die Gemobbten? Vielleicht sogar beides. 
Klar ist, man kann sie nicht einfach machen lassen. Denn dann hört der Terror in den Pausen niemals auf. In der deutschen Demokratie nennen wir die Nazis liebevoll AfD.
Die die Zuhause auf ihrem Sofa bleiben sind in meinem Beispiel die schlimmen Kids, die Schwänzer, die denen die Zukunft völlig am Arsch vorbei geht. Wer nicht wählen geht, macht gleich zwei Dinge: Nazis stärken und sich selbst jede Grundlage nehmen, sich später mal zu beschweren wie scheiße doch alles ist. 
Darum gehe ich auf jeden Fall wählen. So wie ich auch immer zum Chemie-Unterricht gegangen bin, obwohl ich gerade mal mein Tafelwerk verstanden habe. 
Dieses Jahr stehe ich zum ersten Mal vor einem Problem:
Ich bin unsicher, was ich wählen soll.
Das ich damit nicht alleine bin, hilft mir auch nicht wirklich. Im Gegenteil sogar, es macht mir eher Angst. Die Schwänzer versauen uns die Quote, und wenn wir Studien glauben schwänzen die meisten Schüler, weil sie Angst haben etwas falsches zu machen. 
Da stehe ich also mit den beiden Optionen die ich habe: 


Die vergangenen Jahre habe ich immer Grün gewählt. Der Grund ist ziemlich simple, denn mir liegt die Umwelt am Herzen.  Ich finde es nicht wichtig, wie viele Flüchtlinge hier ein neues Zuhause finden, sondern das wir die Welt nicht weiter zerstören. Immerhin können wir nicht alle flüchten, wenn erst einmal die Lebensgrundlage zerstört wurde. 
In den letzten Jahren haben sich die Grünen jedoch zu etwas entwickelt, das mir nicht passt. Sie sind zu angepasst. Böse Zungen könnten meinen, sie ziehen, immer wenn es schwer wird, den Schwanz ein. 
Damit haben sie meine Stimme verloren. 
Bleibt also Links. 
Hier habe ich jedoch auch ein Problem mit meinem Gewissen. Nicht nur die SED Vergangenheit. 
Sollte ich wirklich etwas wählen, nur damit die Waage zwischen links und rechts sich hält?
An sich hat das Wahlprogramm der Linken sehr viele gute Punkte. Jedoch erscheinen mir die meisten davon nicht nur unrealistisch, sondern auch überzogen. Schöne Idee, die in der Realität nur zu schnell zerplatzen. Trotzdem heißt jede Stimme für sie, dass gleichzeitig auch die Mitte gestärkt wird. Eine Zusammenarbeit der großen Parteien mit den Linken kann viel Gutes bewirken. 

Man könnte natürlich noch anmerken, dass es viele kleine Parteien gibt, die großartige Ideen haben. Die Tierschutzpartei etwa, oder auch die Partei Demokratie in Bewegung. Nur leider ist es in diesem Jahr wichtig, die Stimmen der Nazis zu ersticken. Meine Großmutter würde sagen, lieber einmal Kopf ab und dann in Ruhe weiter machen. 
Die kleinen Parteien bekommen meine Stimme vielleicht beim nächsten Mal, am Sonntag wird es wohl doch auf die Linke hinauslaufen. 

Eines sollte jeden von uns klar sein :

Nicht wählen ist nicht nur keine Alternative, es ist eine Schande für alle, die jemals für das Recht auf Demokratie und gegen Nazis gekämpft haben. 

Wer Protestwähler sein will, hat mit DIE PARTEI nicht nur die perfekte Lösung, sondern auch noch Humor. 


Hass ist keine Lösung, sondern unser Problem. Und mit Hass wird man nicht fertig, wenn man ihn ignoriert. 

Kommentare:

  1. Du verhindert die AfD auch, wenn du "Demokratie in Bewegung" wählst. Die Jungs und Mädels schaffen es zwar wahrscheinlich nicht über 5 % und in den Bundestag (dafür sind sie zu neu und leider immer noch zu unbekannt), aber ab einem Anteil von 0,5 % der Wählerstimmen haben sie das Recht auf Parteien-Förderung und damit die Mittel, sich für die Europa-Wahl, Länderwahlen und die nächste Bundestagswahl besser aufzustellen und bekanntzumachen. Überleg's dir!

    Gruß, Simone Dorra

    AntwortenLöschen
  2. Das war auch erst meine Überlegung, allerdings befürchte ich das die AfD über 5% und kommt - vielleicht sogar über 10 ...
    Da brauchen wir dann ein starkes Gegengewicht.
    Ich finde das dieses Jahr wirklich sehr verzwickt.
    Aber lieben Dank für deine Meinung!

    AntwortenLöschen
  3. Mit Ziemlich genau diesem Gewissenskonflikt schlage ich mich auch herum: Die Partei, die meine Interessen und Positionen am besten vertritt wird definitiv im Bereich der sonstigen landen.
    Aber aufgrund der momentanen Lage ist eigentlich aus taktischen Gründen dann die Grüne die bessere Wahl als Schnittmenge meiner Position und politischer Tragweite meiner Stimme, sowie als Stimme gegen die AFD.

    Gerade im Bereich des Umweltschutzes gibt es mehrere kleine Parteien, die sich - mit leicht unterschiedlichen Tendenzen - dies als Leitthema auf die Fahnen geschrieben haben. Klar, wenn wir immer nur grün wählen beispielsweise, weil die kleinen ja eh nicht über die 5%-Hürde kommen, wird sich daran auch nichts ändern, dass die nicht drüber kommen.

    Der Erfolg meiner Stimme ist m.E. kein Argument. Klar ist die Grüne im Moment die Partei, die das Zünglein an der Waage werden könnte, und damit für die Schwerpunktsetzung der Regierung wichtig werden wird, aber wenn meine Interessen im sonstigen Bereich vertreten werden, dann wird da gewählt.
    Auch wenn sich die Überlegung auftut, ob man die wählt, die meine Interessen am inhaltlich genauesten vertreten, oder die, die meine Interessen am besten (im Sinne von erfolgreichsten) vertreten.

    Aber: schauen wir in die USA, wo alle sagten (vor der Wahl), so blöd könne die Bevölkerung gar nicht sein. Wie kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn die AFD sehr gut aus der Wahl herausgeht, und meine Stimme im Sumpf der sonstigen versackt ist?
    Ich kann mich noch immer nicht sicher entscheiden, welches dieser Übel das größere ist.
    Was nur klar ist, da stimme ich dir vollkommen zu: Es gibt kein größeres Übel, als nicht wählen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke beim Schlusssatz sind wir uns alle einig :D

      Löschen
  4. Ich wähle zwar nicht blau/braun, aber bin jetzt nicht so erpicht darauf, mit allen Mitteln die AfD am Einzug in den Bundestag zu verhindern, denn schließlich lebt die Demokratie von der Vielfalt, auch wenn manche Seiten scheiße aussehen.
    Ein Mann sagte mal zu mir, dass es wichtig ist, eine funktionierende Opposition zu bekommen und das hatten wir ja die letzten 4 Jahre nicht, weil Grün-Links nicht zusammen über 30% kamen und somit an vielem nicht teilnehmen konnten.
    So wie es jetzt aussieht, kommen ja die FDP und die AfD mit rein, was heißt, dass die Opposition definitiv die 30% schafft und wieder vernünftig arbeiten kann. Solange die blauen Leutchen in der Opposition bleiben, kann von denen nichts Schlimmes ausgehen und da halte ich die Mehrheit der Deutschen schlau genug, dass das auch die nächsten Jahrzehnte so bleibt, egal ob Ich-wähle-CDU-weil-ichs-schon-zu-Adenauer-tat-Wähler oder Oppositions-Links-Wähler.

    Auch wenn mir die Umwelt am Herzen liegt, bin ich kein Freund der Grünen, denn trotz Oppositionspartei haben sie sich in den letzten 4 Jahren (auch davor) zu nah am rot-schwarzen Block gehalten und beim Thema Kriegseinsätze waren sie immer mit vorn dabei; da bin ich zu sehr Weltfrieden-Typ für.

    Meine Erst-Stimme ist klar vergeben an die Oppositionspartei (bzw. ihrem hiesigen Kandidaten), mit der keiner koalieren will. Bei der Zweitstimme wird es dieses Mal nicht diese Partei (Schade, dass Gregor Gysi nicht mehr kandidiert), sondern eine der kleinen Parteien, auch wenn diese keine Chance hat, die 5% zu schaffen.

    Was ich mir mehr wünschen würde, wären Parteilose, die über die Direktmandate reinkämen. Die können zwar in keine Ausschüsse, aber sind gut im Piesacken und auch keinem Parteizwang untergeordnet. Nur leider haben sie nie die Mittel, um im Wahlkampf wahrgenommen zu werden. Der letzte Parteilose kam 1949 in den Bundestag, das ist ne Weile her.

    <> Auf die Raute. Weitere 4 Jahre.
    16 Jahre Kohl sind genug! Davon bekommt man Blähungen.


    Gruß vons Schaf :)


    PS: Ich kenne nur 2 bekennende CDU-Wähler; weniger als AfD-Wähler.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich frag mich auch manchmal wo die CDU Wähler herkommen - da kenne ich tatsächlich nur einen :D

      Löschen

#hro2209 - Jede Stimme gegen Rechts

Demos sind für mich immer so eine Sache.  Ich habe tatsächlich ein Problem mit großen Menschenmengen. Trotzdem weiß ich, wie wichti...