Mittwoch, 27. September 2017

Meckermittwoch: Veganer und der Fleischersatz


Warum essen Veganer andauernd Pflanzenprodukte, die aussehen und schmecken wie Fleisch? Mit dieser Frage müssen sich die meisten Veganer und Vegetarier früher oder später auseinandersetzten.
Besonders die Allesesser regen sich mit Vorliebe über „Fleischersatz“ auf. Dabei wird meist vergessen, dass die meisten aus Ethischen Gründen auf Fleisch verzichten und nicht wegen des Geschmacks. Das Fleisch den meisten Menschen schmeckt ist weder ein Geheimnis noch ist es verurteilenswert – nur die Art wie das Fleisch „produziert“ wird ist eben der Knackpunkt.
Ich habe gute 90% meines Lebens Fleisch gegessen. Eine meiner Lieblingsspeisen war ein dickes Leberwurstbrötchen und Eiersalat mit Speck. Auch Schnitzel stand des Öfteren auf den Speiseplan – oder auch Hähnchenschenkel mit Honigglasur. Das Fleisch nicht schmeckt steht also nicht zur Diskussion. 
Besonders am Anfang der Ernährungsumstellung habe ich so ziemlich alle Fleischersatzprodukte hoch und runter probiert. 
Fleisch setzt opiat-ähnliche Stoffe frei, vergleichbar mit Käse. Fleischersatz ist also vergleichbar mit veganem Methadon. Der Körper steht eben drauf – ob wir das nun toll finden oder nicht. In Veganer Kreisen werde ich oft schräg angesehen, wenn ich sage das Fleisch essen für mich etwas sehr animalisches ist. 
Das war es schon immer – besonders wenn ich Fleisch gegessen habe. Eine Befriedigung der niederen Instinkte könnte man also sagen. Und ja, manchmal habe ich immer noch Bock auf eine Bockwurst. Nur ist diese eben jetzt nicht mehr aus der Leiche eines Tieres, sondern aus einer Pflanze. 
Es kam eben irgendwann der Wendepunkt an dem mir die Fleischeslust im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken blieb. Ich habe es einfach nicht mehr herunter bekommen, sondern immer das kleine Schweinchen vor mir gesehen, dass in Panik um sein Leben quiekt. Oder die Kuh, die mich mit ihren großen Augen flehend anschaut und sich fragt warum sie erst gequält und dann getötet wird. 
Mein Kopf hatte sich also wesentlich schneller dazu entschieden auf Fleisch zu verzichten, während der Körper noch an der „Sucht“ hing.
Außerdem hat Essen auch eine emotionale Komponente, sicherlich hat jeder ein Gericht aus seiner Kindheit das es ganz ohne Tiere nicht gibt. Ente zu Weihnachten, Eiersalat zum Frühstück oder ein guter Burger. Bestimmte Gerichte verbindet man mit bestimmten Erinnerungen, Traditionen und Gefühlen. Und mit lieben Menschen, mit denen man jene teilt. Darum baut man sie eben einfach nach – mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg.
Ich persönlich mag Tofu-Fleisch-Nachbauten weniger, da bereite ich doch lieber den Tofu als Tofu zu und auch auf Seitan kann ich durchaus verzichten. 
Wirklich etwas dagegen habe ich aber nicht – warum auch?
Sich darüber aufzuregen, dass es inzwischen kein Problem mehr ist, Fleisch zu ersetzen zeigt nur wie tief verwurzelt es ist, den Menschen über alles zu stellen. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft ich von Fleischessern voll gelabert wurde: 
"Isch bin ja uch gegen de Massentierhaltung, aber son Schnitzelchen dat musch scho sein."
"Digga, dann mach mich nicht wegen meiner Tofu Wurst voll!"
Übrigens ist es ein Irrglaube, dass das gute Soja Würschen eine Erfindung der Neuzeit ist. Konrad Adenauer war es, der den "Fleischersatz" in unsere Gefilden holte. Logisch. Schon damals war´s günstiger und machte trotzdem satt. 
Statt seine und die Zeit des anderen also mit völlig sinnfreien Diskussionen zum Thema Fleischersatz zu vergeuden, sollte man lieber etwas sinnvolles tun. 
Sich einen Salat schneiden zum Beispiel. 

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