Dienstag, 5. September 2017

Meckermittwoch: Fick Dich, Grauzone!

Haare: Directions Midnight Blue
Shirt: Flohmarkt Schnäppchen
Hose: super alt

Ich laufe durch den milden Sommermorgen zu meinem Nebenjob. Gerade biege ich um die Ecke, als ich einem Mädchen (oder sind wir schon Frauen, Britney?) fast in die Fersen trete. 
Ich sehe meinen überraschten Blick in der Spieglung ihrer XXXL Hipster Sonnenbrille, als sie mir einen Schulterblick zuwirft. Ihr Mund kräuselt sich dabei, als würde sie sich ekeln. 
Hey, so schlimm sehe nicht einmal ich morgen aus! 
Sie geht weiter und gibt mir damit die Möglichkeit sie eingehend zu mustern. Kenne ich sie vielleicht und habe mal etwas Unanständiges zu ihr gesagt? Mein Typ ist sie eigentlich nicht.
Die Haare sind von der etwas zu starken Blondierung heftig gekräuselt. Zum Glück hat die silbergraue Tönung noch vieles retten können. Ansonsten trägt sie schwarz. Die knall enge Jeans umschließt die dünnen Beine. Das langärmlige Shirt ist hoch gekrempelt und enthüllt das Tattoo einer Rose. Ich ziehe die Augenbrauen hoch, nein angebaggert habe ich sie sicher nicht. Irgendetwas an ihr gefällt mir ganz und gar nicht. 
Gerade will ich darüber nachdenken, ob ich sie vielleicht bei irgendeinem Konzert schon einmal gesehen habe. Doch dann schlägt mir der Aufnäher ihrer Umhängetasche entgegen. 

Still not loving Antifa.

Putzig. 

FCK NZS Tattoo by VäterchenVrost #götzi

So eine ist sie also. Darum auch die grauen Haare, wa? 

Ich dachte sie sei nur modisch im Trend, aber offenbar ist es ein Statement ala: Schaut her, ich bin in der Grauzone! Fehlt nur noch das „Ich, bin ja kein Nazi, ABER“ - Shirt. 
Die Grauzonenfraktion in Rostock ist leider erschreckend groß. Man erkennt diese ganz spezielle Art meist daran, dass sie nach 3 Bier alle Freiwild Songs rauf und runter grölen und anschließend versuchen zu erklären, dass sie ja keine Nazis sein können. 
Sie haben schließlich Polen als Freunde, ja sogar Russen! Kann man sich das vorstellen? 
Sie haben nichts gegen Ausländer, nur gegen die mit der etwas dunkleren Haut. Ist doch logisch. Immerhin sind die es ja auch, die unsere Frauen vergewaltigen. Die armen Mädchen trauen sich ja schon gar nicht mehr aus dem Haus, ohne sich in ihre Deutschland Flagge zu wickeln.
Diese einzigartigen Wesen des politischen Geschehens sehen ähnlich aus wie Nipster (halb Nazi, halb Hipster), gehen aber meist mehr ins Fitnessstudio, essen gerne Bratwurst und werden nicht müde zu betonen, dass sie völlig normale, nette Leute sind. 
Sie finden es halt nur doof, wenn andere Menschen nicht weiß sind und an einen anderen Gott glauben. Ich sage ihnen dann meistens das hier: 
Fick dich. 
Während das Mädel also noch vor mir herläuft, fange ich an „Ebony And Ivory“ vor mich hin zu singen. Man muss ja nicht immer gleich mit Steinen werfen. Dafür bin ich dann doch zu sehr Hippie, und ehrlich gesagt auch zu faul. Immer einen Stein dabei zu haben. Mit einem Buch könnte ich allerdings werfen, aber das habe ich noch nicht ausgelesen. Es muss also bei meinen schrecklichen Gesangskünsten bleiben.
Sie dreht sich etwas verwirrt um und ich schenke ihr ein strahlendes Lächeln. Wer weiß immerhin, was dem armen Ding zugestoßen ist, dass sie sich so entwickelt hat?
War es eine verlorene Liebe? Hat sie zu oft American Historie X geschaut? Und wenn ja, hat sie den Film verstanden? 
So viele Fragen, auf die ich wohl keine Antwort bekommen werde, stattdessen dreht sie sich noch einmal um und zischt ein „Scheiß linkes Pack“. Herzallerliebst. 
Wie kann ich meine Gefühle nur noch besser zum Ausdruck bringen? Ah ich habs: 
S'il vous plaît, Allez vous faire foutre, zone d'ombre!

Kommentare:

  1. Ein toller text und ich finde ehrlich gesagt beiden viel zu krass. Linke und Rechte
    Man muss einfach ein gesundes Mittelmaß finden so wie bei allem.
    Schließlich kann es ja auch nicht sein, dass man in unseren Städten fast nur noch Ausländer sieht.
    Von einer Bekannten ist gerade ein Kind eingeschult worden. Sie ist die einzige Deutsche.
    Das finde ich einfach etwas schade. Aber ich habe nichts dagegen wenn es sich im rahmen hält.
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

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    1. Leider ist das auch wieder eine typische "Aber" Antwort. Was ist denn schlimm an nicht Deutschen Kindern?
      Ich finde dieses nationale Denken falsch. Wir sind alle Menschen. Jeder von uns hat das Recht dahin zu gehen, wo es sicher ist. Wir sind eine Welt, nicht ein Land.
      Ein Mittelmaß muss man allerdings finden, jedoch nicht in dem man Angst davor hat, dass es zu viele Menschen aus den Kriegszonen treibt. Für Deutschland ist das im übrigens nicht unbedingt etwas negatives, wenn mehr Menschen dazu kommen. Immerhin fliehen fast nur junge Menschen, die natürlich erst einmal Hilfe brauchen und lernen müssen mit der neuen Situation umzugehen. Doch gerade sie können uns dabei die Probleme des Generationenvertrages abzumildern.
      Ich sehe viele Vorteile und wenig Nachtteile. Außer vielleicht die schlechte Organisation des Ganzen.
      #refugeeswelcome

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    2. "Wir sind eine Welt, nicht ein Land!" Du nimmst mir die Worte aus dem Mund! <3

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    3. Danke schön :* Es ist immer wieder toll, Menschen zu ... äh ... lesen die gleich denken!

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  2. Oh man. Manche sind einfach nur .. nun ja. ;)
    Ich könnte auch tausend Diskussionen mit Leuten anfangen..
    Leider kenne ich auch einige Personen, die etwas gegen bestimmte Sprachen haben, aber selbst 10 Minuten später russisch reden. Hä? Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr.

    Und sind wir nicht eigentlich alle Ausländer? Die einzig wahre "reine Rasse" gibt es doch sowieso nicht. ;)

    Liebe Grüße
    Laura

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    1. Sehe ich auch so - ich bin für mehr "Gengulasch".
      Unser Blut ist eh immer rot. Also sollte alles andere egal sein. Falls die Menschheit noch ein paar Jahrhunderte hat, wird sich ohnehin alles vermischen :D Dann haben wir hoffentlich nicht mehr das Problem der Diskriminierung.

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  3. Schwieriges Thema, dass leider meist zu Diskussionen führt, die in den seltensten Fällen neutral bleiben. Ich habe das "Glück" mit Rechtsradikalen bisher kaum in Kontakt gekommen zu sein. Aus Erzählungen weiß ich aber, dass Nazis (oder wie auch immer man die nennen will) im Osten Deutschlands deutlich mehr vertreten sind.

    Ich will hier auch gar nicht tiefer in die Thematik einsteigen. Nur so viel: Rechts und Links sind zwei Meinungen, die grundsätzlich ok sind. Ausländerhass oder jede Form von Radikalismus ist es für mich nicht. Dazu gehören Steine schmeißen und Teile der Antifa genauso wie Nazis.

    Davon abgesehen glaube ich, das viele Leute (und irgendwie hört es sich bei dem Mädel über das du schreibst auch so an) wenig politische Ahnung haben, aber Dinge einfach mal verurteilen, weil es gerade ein Trend ist. Traurig, aber dafür auch weitgehend "ungefährlich".

    Liebe Grüße

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    1. Ich fürchte leider, dass gerade diese "Angst" vor den Diskussionen einer der Gründe dafür ist, dass die Situation sich weiter verschärft. Wir leben (zum Glück) in einer Demokratie und jeder darf seine Meinung frei vertreten.
      Leider ist es im östlicheren Bereich tatsächlich schlimmer, und dass obwohl dort die wenigsten Zuwanderer oder Flüchtlinge sind. Völlige Ironie. Ob man das als "Was der Bauer nicht kennt, mag er nicht" verbuchen kann? Ich weiß es nicht.
      Wie Du selbst schon sagst, hat jedoch jede Meinung eine Grenze. Immer die, die anderen Menschen schadet.
      Dieser rechtsradikale Trend ist allerdings wirklich gefährlich - und zwar für uns alle. Darum sollte man auch die Diskussion darum nicht aufgeben, auch wenn man leider in 80% der Fällen nicht wirklich weiter kommt.

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  4. Ich glaub das ist leider besonders im Osten sehr ausgeprägt. Seit ich da wohne, bemerke ich das auch.

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    1. Ist auch leider tatsächlich so - obwohl ich denke, dass es hier eher die ausgeprägten National Stolzen sind.
      Als ich in München war hab ich durch aus auch ähnliches erlebt, aber nicht so aggressiv. Kein Hitlergruß oder ähnliches.

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    2. Es kommt aber glaub auch drauf an, wo man im Osten ist. In meiner Ecke (Dessau) bin ich nie wirklich mit Nazis in Berührung gekommen. Es gibt sie, ich habe sie gesehen! Vermutlich verlassen die meisten das Altersheim Deutschlands wie alle anderen auch.
      Und so oft befinde ich mich nicht in HRO oder DD, um dort Nazis zu begegnen. Um ehrlich zu sein, weiß ich nur aus den Nachrichten, dass sich in den östlichen Gefilden mehr davon rumtreibt und von Justines Erzählungen.

      Gruß vons Schaf

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    3. Und wegen der Tatsache das die NPD hier im Landtag sitzt :D

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  5. Wow ausdruckstarker Text auch wenn ich nicht voll im Thema bin.

    Lg, Rina
    https://darlingrina.com/2017/08/12/key-piece-jacket-why-coats-are-the-most-important-garment-in-our-wardrobe/

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  6. Die immer wiederkehrende Diskussion.
    Ich kann bestätigen, dass sich im Osten vermehrt Nazis tummeln. Leider habe ich den Hitlergruß hier auch schon am Bahnhof und vor Discountern sehen müssen - und hätte denen gern den Arm abgehackt. Hier in dem kleinen Kaff, in dem ich wohne, gibts ein Nazi-Ghetto, wo allerdings auch Flüchtlinge untergebracht sind. Anfangs kam es dort wohl öfter zu Auseinandersetzungen, aber das hat sich mittlerweile wohl gelegt. Oder aber man hört nichts mehr davon. Zudem musste ich selbst an der Schule hier miterleben, dass Lehrer rechtes Gedankengut untereinander verbreiten und sich gegen die Integration von Flüchtlingen aussprachen.

    Ich bin für "keine Nationalität", immerhin kann man sich seine Nationalität nicht aussuchen. Jeder von uns hätte genauso gut Pole, Chinese oder Iraker sein können. Da hat man keinen Einfluss drauf. Aber am Ende sind wir alle Menschen und sollten von- und miteinander lernen und leben.

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  7. Diese "Aber"-Menschen kenne ich auch. "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber..." Das ist sooo traurig. Toller Text. Alles Liebe Marie

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